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Metzler Lexikon Philosophie: Systemtheorie

wissenschaftliches Denken in Systembegriffen, wobei die sozialwissenschaftliche Theorieformulierung seit ihrem Entstehen Systembegriffe zumeist in Analogie zu nicht-sozialen Systemen entwickelt hat (Mechanismus, Organizismus, Kybernetik). Nach T. Parsons strukturell-funktionalistischem Theorieansatz sollte Soziologie danach fragen, welche Muster der Verknüpfung von Handlungen zu Strukturen vorliegen. Funktionale Prozesse sind danach solche, welche zur Erhaltung der Strukturen beitragen. Parsons Systembegriff stellt Gleichgewicht, Stabilität, Homöostase ins Zentrum. Erkenntnistheoretisch folgenreich ist sein AGIL-Schema, das die Funktionen des Systems angibt: Adaption (Anpassung), Goal-attainment (Bestimmung und Erreichung von Zielen), Integration (Integration), Latent pattern-maintenance (Strukturbewährung, Spannungsregulierung). Parsons Bestimmungen von Systemen als Differenz von Teilen zum Ganzen hat die Frage nach dem Wandel des und der Inkorporation ins System hervorgerufen. N. Luhmann versucht, mit seiner Definition des Systems als Differenz zwischen Umwelt und System einen Weg für die Beschreibung evolutionärer Systemveränderungen zu öffnen. Diese Idee wird in Vorstellungen von Selbstreferentialität und Autopoeisis (Selbsterschaffung) des Systems und seiner Elemente umgesetzt. Insbesondere die Übernahme biologischer Regelungsmechanismen (so ist etwa die Komplementierung der Basen bei der Replikation der Erbsubstanz selbstreguliert) markiert einen Paradigmenwechsel der S. Die Selbstbezogenheit sozialer Systeme verweist auf Begriffe wie Wiederholung, Erwartung von Handlungen. Systeme müssen die »Anschlussfähigkeit« von Handlungen sicherstellen und deshalb ihre eigentliche Funktion der Selektion von möglichen Systementwicklungen und die Reduzierung des Angebots möglicher Systemalternativen organisieren. Das gelingt am besten durch Reproduktion anschlussfähiger Elemente. Selbsterschaffung wird damit zum Kern der fortgeschrittenen S.: »Strukturen müssen … die Anschlußfähigkeit der autopoietischen Reproduktion ermöglichen, wenn sie nicht ihre eigene Existenzgrundlage aufgeben wollen, und das limitiert den Bereich der möglichen Änderungen… Eine wichtige strukturelle Konsequenz, die sich aus einem selbstreferentiellen Systemaufbau zwangsläufig ergibt, muß besonders erwähnt werden. Es ist der Verzicht auf Möglichkeiten der unilateralen Kontrolle« (N. Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt 1984. S. 62f). Durch die Einführung von Vorstellungen der Selbstrefrentialität und Autopoiesis können jetzt Wandlungsprozesse systemtheoretisch erklärt werden. Dem System muss nicht – wie implizit noch bei Parsons – ein organisierendes Zentrum (Subjekt) zugeschrieben werden. Die Übertragung autopoietischer Steuerungen auf soziale Gebilde ist jedoch umstritten. Gerade im Hinblick auf Aussagen über mögliche Steuerungsalternativen werden Defizite der S. konstatiert. Sowohl ihre analytischen als auch ihre normativen Komponenten stehen im Zentrum einer Kritik, die auf die empirische Bedeutung von Handlungen/Akteuren hinweist. Darüber hinaus belebt sich mit dem Anspruch der S. »allgemeine Theorie« zu sein, wieder die Debatte, ob S. eine besondere Methode der Beschreibung sozialen Geschehens ist, oder ob S. als Korrespondenztheorie realer »Systemifizierungen« anzusehen ist.

Literatur:

  • K. v. Beyme: Theorie der Politik im 20. Jh. Frankfurt 1991
  • N. Luhmann: Soziologische Aufklärung 3. Opladen 1981
  • T. Parsons: Das System moderner Gesellschaften. München 1972.

TN

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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