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Editorial: 100 Jahre und kein bisschen greise

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 25. November 1915, also vor genau 100 Jahren, legte Albert Einstein der Preußischen Akademie der Wissenschaften den Kern seiner allgemeinen Relativitätstheorie vor. Was daraus erwuchs, gehört zu den größten Erfolgen der Forschungsgeschichte. Einstein schuf die Grundlagen für ein völlig neues Verständnis einer Kraft, die im Wortsinn dafür sorgt, dass wir unsere Bodenhaftung nicht verlieren, und die bis in die fernsten Weiten des Universums wirkt: die Gravitation.

Was Einsteins Theorie zu rascher Akzeptanz – und ihm selbst zu ungeheurer Popularität – verhalf: Die Vorhersagen, die sich aus ihr ableiten lassen, konnten mit Hilfe von Experimenten und astronomischen Beobachtungen präzise bestätigt werden. Einige der Effekte, die von der einsteinschen Theorie erklärt werden, wie etwa die Ablenkung des Lichts im Schwerefeld, fungieren in der modernen Astronomie inzwischen sogar als Werkzeug für die Untersuchung ferner Galaxien (S. 40). Selbst für unsere Vorstellung vom Aufbau und der Entwicklung des Universums liefert Einsteins Theorie das nötige Fundament.

Allerdings hält die allgemeine Relativitätstheorie auch noch offene Fragen bereit, die bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet sind. Schwarze Löcher zum Beispiel geben noch viele Rätsel auf (S. 24). Gravitationswellen sollten stets dann entstehen und sich als Schwingungen der Raumzeit fortpflanzen, wenn kompakte Massen beschleunigt werden. Indirekt ist die Abstrahlung von Gravitationswellen – völlig in Einklang mit Einsteins Theorie – bereits anhand von Pulsaren in Doppelsternsystemen nachgewiesen. Was noch fehlt, ist ihr direkter Nachweis. Mit technisch komplexen Anlagen wollen Forscher die winzigen Erschütterungen der Raumzeit nun erfassen (S. 28). Und in wenigen Wochen wird LISA Pathfinder starten, eine Sonde, die erproben soll, ob sich Gravitationswellendetektoren auch im Weltraum einsetzen lassen (S. 37). Einsteins Theorie ist so folgenreich und vital wie vor 100 Jahren.

Herzlichst grüßt Ihr

Uwe Reichert

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