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PLATTENTEKTONIK: Abgetauchte Erdkruste

Vor 40 bis 50 Millionen Jahren kollidierten die Indische und die Eurasische Platte. Seither schiebt sich die erste immer weiter in die zweite hinein – bis heute um rund 2000 Kilometer – und türmt dabei die Gebirge Süd- und Zentralasiens auf, darunter mit dem bis zu 8848 Meter hohen Himalaja die gewaltigsten Gebirgsformationen unseres Planeten. Geowissenschaftler um Miquela Ingalls von der University of Chicago haben nun Hinweise darauf gefunden, dass bei dieser Plattenkollision ein beträchtliches Volumen an kontinentaler Erdkruste in den Erdmantel gedrückt wurde, was bisherigen Thesen zur Plattentektonik zuwiderläuft.

Kontinentale Erdkruste besitzt eine geringere Dichte als ozeanische, hat also ein stärkeres Bestreben als diese, bei den Bewegungen innerhalb der Erdkruste oben zu "schwimmen". Trifft sie in einer Subduktionszone auf ozeanische Kruste, überfährt sie diese und presst sie hinab in den Erdmantel. Kollidieren hingegen zwei Landmassen und trifft dabei kontinentale auf kontinentale Kruste, geschieht das nicht, nahmen Geologen bisher an. In diesem Fall verforme sich das Krustenmaterial zwar und türme dabei unter anderem Gebirge auf, tauche aber nicht in die Tiefe ab.

Das scheint auf den Zusammenprall zwischen Indischer und Eurasischer Platte jedoch nicht zuzutreffen, wie Ingalls und ihre Kollegen anhand von Computermodellen festgestellt haben. Sie versuchten damit die Gesamtmasse der an dem Ereignis beteiligten kontinentalen Kruste vor, während und nach dem Höhepunkt der Kollision zu ermitteln. Demnach verschwanden bei dem Zusammenstoß schätzungsweise 500 Billionen Tonnen Gestein im Erdmantel, entsprechend etwa 50 Prozent der anfangs vorhandenen kontinentalen Kruste Indiens und Eurasiens.

Ein Teil des abgetauchten Materials sei in der Zwischenzeit über Vulkanismus wieder nach oben befördert worden, äußerten die Wissenschaftler. Das erkläre, warum sich geochemische Signaturen kontinentaler Gesteine in ozeanischen Krustenabschnitten oder auf abgelegenen Vulkaninseln finden.

Dezember 2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2016

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