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Ethologie

Ach wie goldig!

Rund 75 Jahre nach der Entdeckung des Kindchenschemas ergründen Forscher, was im Gehirn passiert, wenn wir etwas niedlich finden - und wie Katzenbilder unser Verhalten beeinflussen.
Ein kleiner Welpe liegt auf geöffneten Handflächen.

"Ich habe ein Gerät in meiner Tasche, mit dem ich Zugriff auf das gesamte Menschheitswissen habe, und nutze es, um mich mit fremden Leuten zu streiten und mir Katzenbilder anzusehen." So geht ein alter Witz über Smartphones und das Internet. Passend dazu behauptete der amerikanische Tierfutter-Hersteller Friskies 2013, in einer Untersuchung herausgefunden zu haben, dass 15 Prozent des gesamten Datenvolumens im Netz der Übermittlung von Katzenbildern und -videos dienen. Das ist seriösen Schätzungen zufolge zwar maßlos übertrieben, dürfte jedoch zum subjektiven Eindruck vieler Internetnutzer passen.

Weshalb wir eines der mächtigsten technologischen Werkzeuge der Menschheit so gern dazu nutzen, uns verspielte Stubentiger und andere Vierbeiner anzusehen, ist vordergründig schnell erklärt: Kleine, flauschige Tiere sind einfach süß. Was aber genau bedeutet es, wenn wir etwas niedlich finden? Und warum existiert dieses Gefühl überhaupt?

Schon 1943 beschrieb der berühmte Ethologe Konrad Lorenz das so genannte Kindchenschema. Darunter verstand er eine Kombination bestimmter optischer Merkmale, die beim Menschen und anderen Säugetieren – und vielen weiteren Tierarten – als ein angeborener Schlüsselreiz dient. Dieser motiviere die erwachsenen Tiere dazu, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Der österreichische Verhaltensforscher notierte in seiner Abhandlung, dass schon seine anderthalbjährige Tochter ihre erste Puppe "mit einer Ausgeschliffenheit und Erfolgssicherheit" auf den Arm nahm und an sich drückte, "wie wir sie sonst in erstmaliger Ausführung nur bei Instinktbewegungen von Tieren zu sehen gewohnt sind" …

3/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2018

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