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Paläanthropologie: Ältester moderner Europäer



Ein Unterkiefer, der Anfang 2002 in der Höhle "Petra cu Oase" im Südwesten Rumäniens gefunden wurde, hat sich als bisher ältester Knochenrest des modernen Menschen in Europa ent-puppt. Ein Team um Erik Trinkaus von der Washington-Universität in St. Louis datierte das Fossil mit der Radiokarbonmethode auf etwa 35000 Jahre. Die meisten Merkmale des Kiefers entsprechen denen vergleichbarer Funde des anatomisch modernen Menschen aus Afrika, dem Mittleren Osten und dem späteren Europa. Es gibt aber auch eher archaische Merkmale. So sind die Backenzähne – soweit erhalten – außergewöhnlich groß; das gilt besonders für den Weisheitszahn. Die eigentliche Sen-sation ist freilich, dass der Rand des Mandibularkanals, der Austrittsstelle des Haupt-Zahnnervs, nicht eingekerbt ist wie beim modernen Menschen, sondern verwachsen wie beim Neandertaler. Trinkaus und seine Kollegen werten dies als Beleg dafür, dass sich der moderne Mensch bei der Einwanderung nach Europa mit dem alteingesessenen Neandertaler genetisch vermischte. Über diese Frage wogt unter den Paläanthropologen seit langem ein erbitterter Streit.

(Proceedings of the National Academy of Sciences, 30.9.2003, S. 11231)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 2003, Seite 11
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
12 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 12 / 2003

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