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Archäologie: Ältestes Sonnenobservatorium Europas



Schon die Menschen der Jungsteinzeit interessierten sich offenbar für astronomische Phänomene. Darauf weist ein Sonnenobservatorium hin, das Forscher bei Goseck in Sachsen-Anhalt kürzlich anhand von Luftbildaufnahmen entdeckt und durch Funde aus der stichbandkeramischen Kultur auf 5000 bis 4800 v. Chr. datiert haben. Zwar war diese älteste bekannte Kreisgrabenanlage Europas – das englische Stonehenge ist 3000 Jahre jünger – vor allem ein religiöses Heiligtum, ihr Bau zeugt aber eindeutig auch von astronomischem Wissen. So sind im Unterschied zu vergleichbaren Monumenten Außenmauer, Graben und innere Palisaden von drei statt zwei oder vier Toren durchbrochen. Dabei markiert das südöstliche Tor genau den Ort, wo die Sonne zur Wintersonnenwende aufgeht, und das südwestliche, wo sie am selben Tag versinkt. Das Erdbauwerk diente somit auch als kalendarischer Fixpunkt, der für die ersten Bauern wahrscheinlich von großer Bedeutung war. Die älteste Himmelsdarstellung, die Himmelsscheibe von Nebra, fand sich nur 25 Kilometer entfernt. Sie ist zwar etwa 2400 Jahre jünger; aber Ähnlichkeiten zwischen ihr und dem Aufbau sowie der Ausrichtung der Gosecker Anlage sind unverkennbar. Sie lassen auf eine lange Tradition der Himmelsdarstellung schließen. (Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt, 7.8.2003)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003, Seite 11
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
10 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003

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