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Alkohol - Das unterschätzte Gift



"Er trank sieben Krüge Bier. Da wurde er entspannt und heiter, er wurde glücklich und sein Gesicht strahlte." Der Zecher war Enkidu, Freund und Begleiter des sumerischen Königs Gilgamesch – so das altorientalische Epos.

Alkoholische Getränke bereiten die Menschen seit altersher. Die anregende, enthemmende und berauschende Wirkung von gegorenen Früchten oder Getreide entdeckten sie bereits vor Jahrtausenden. Der Gebrauch von Alkohol wurde vielfach ritualisiert – bis hin zum Wein als Altarsakrament im Christentum. In vielen Kulturkreisen sind erheiternde Getränke zudem als Genussmittel gesellschaftlich etabliert. Auch heute halten wir einen gelegentlichen Schwips für normal. Einen Rausch ertragen wir häufig mit Humor.

In vielen Kulturen gehörten und gehören Alkoholika wie selbstverständlich zu den täglichen Nahrungsmitteln. In früheren Jahrhunderten hatte der Konsum auch eine hygienische Berechtigung: Wasser war oft unsauber. Außerdem war dies eine Form der Konservierung leicht verderblicher Speisen ("Kleine Kulturgeschichte des Alkohols", Spektrum der Wissenschaft 8/98, S. 62).

Solche Ansprüche können wir heute anders erfüllen. Dennoch konsumieren die Menschen vieler westlicher Länder alkoholische Getränke in großen Mengen. Mit über zehn Litern reinen Alkohols pro Einwohner im Jahr gehören die Deutschen international zu den Spitzenreitern. Pro Kopf entspricht das 134 Litern Bier und anderer Getränke, und diese Zahl täuscht noch: So konsumieren in der Schweiz 7 Prozent der Fünfzehn- bis Fünfundsiebzigjährigen die Hälfte der Alkoholika. Insgesamt 50 Prozent dieser Altersgruppe trinken mehr als 95 Prozent der Droge. Für die anderen westlichen Länder dürften ähnliche Zahlen gelten.

Meist wird die gesundheitliche Beeinträchtigung durch Alkoholkonsum verharmlost. Dass die Droge wegen ihrer Wirkung auf die Psyche süchtig machen kann, ist zwar weithin bekannt. Nur wird oft unterschätzt, wie viele Menschen schon ein Frühstadium des Alkoholismus erreicht haben. Dass Alkohol Leber, Gehirn und andere Organe angreift, wissen die meisten Menschen. Im Alltag kümmern sie sich darum aber wenig. Vielen ist auch gar nicht bewusst, dass schon das tägliche Glas Wein oder Bier einzelne Organe schädigen kann und das Risiko für Krebs erhöht. Dagegen schätzen wir die stimmungsfördernde Wirkung in geselliger Runde hoch.

Ambivalenz prägt die Alkohol-Aura: Einseitige Werbung unterstützt noch den unbekümmerten Umgang mit Alkoholika. Viele der in den letzten Jahren verbreiteten Meldungen, Rotwein etwa würde vor Herz- und Kreislauferkrankungen schützen, sind nur eingeschränkt wahr. Oft beruhen die Daten dazu nicht auf soliden wissenschaftlichen Forschungen, sondern sind schlecht abgesicherte Nebenergebnisse anderer Studien. Fatale Wirkungen von Alkohol, die gleichzeitig auftreten können, werden nur zu oft verschwiegen.

Besonders unverantwortlich ist es, solche Getränke anderen ohne ärztliche Rücksprache unbedenklich zur Unterstützung der Gesundheit zu empfehlen. Ein "Drink" am Tag scheint unter bestimmten Voraussetzungen zwar tatsächlich einer Arteriosklerose und damit Herzinfarkt und Schlaganfall entgegenzuwirken. Doch ist inzwischen auch erwiesen, dass andere Organsysteme unter dem Konsum leiden, sogar schon, wenn es sich nur um geringe Mengen handelt.

Die bei uns übliche Einstellung zum Alkohol ist längst ein gesellschaftliches Problem. Das betrifft nicht nur die beträchtlichen Krankheitskosten, sondern auch die weit reichenden sozialen Auswirkungen. Die leichtfertige Handhabe fördert den Missbrauch bis hin zur Trunksucht. Denn nicht jeder versteht es, mit berauschenden Getränken sozialverträglich und selbstverantwortlich umzugehen. Offenbar sind manche Menschen für Alkoholmissbrauch beziehungsweise für den krankhaften Alkoholismus anfälliger als andere.

Seit 1968 gilt Alkoholismus als Krankheit. Streng genommen fällt darunter noch nicht die rein psychische Alkoholabhängigkeit. Erst wer bei Enthaltsamkeit auch die typischen körperlichen Entzugssymptome zeigt, ist nach heutiger medizinischer Auffassung Alkoholiker. Das typische und wichtigste Symptom der psychischen Abhängigkeit ist der "Kontrollverlust": Wenn er einmal zu trinken angefangen hat, kann der Kranke nicht mehr damit aufhören. Hat sich die Sucht einmal entwickelt, bleibt sie anscheinend bestehen – selbst nach jahrelanger Abstinenz: Auch der "trockene" Alkoholiker bleibt lebenslänglich krank. Hinzu kommt als Merkmal der psychischen Abhängigkeit das starke, oft unbezwingbare Verlangen nach Alkoholika. Die körperliche Abhängigkeit äußert sich zum einen darin, dass der Betroffene am Anfang scheinbar immer mehr Alkohol "verträgt" und auch immer mehr braucht, um noch die gleiche angenehme Wirkung zu erreichen. Zum anderen erleidet er ohne die Droge Entzugserscheinungen wie Zittern, Schweißausbrüche, Herzjagen, innere Unruhe.

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren leben hier zu Lande rund zweieinhalb Millionen behandlungsbedürftige Alkoholkranke. An den Folgen übermäßigen Trinkens sterben in der Bundesrepublik jährlich etwa vierzigtausend Menschen, siebzehntausend davon an Leberzirrhose. Jedes Jahr werden hier mehr als 2200 alkoholgeschädigte Kinder geboren. Und wahrscheinlich sind 250000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter fünfundzwanzig Jahren stark alkoholgefährdet oder bereits abhängig.

Kosten des Alkoholismus

Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten durch Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit belaufen sich in Deutschland auf 30 bis 80 Milliarden DM jährlich, eingerechnet die Belastungen des Gesundheitswesens, die Verluste an Produktivität sowie die Folgekosten von alkoholbedingten Verkehrsunfällen und Straftaten. An Alkoholsteuern nimmt der Staat demgegenüber zur Zeit mehr als sieben Milliarden Mark ein. Und die deutsche Alkoholwirtschaft setzt seit geraumer Zeit etwa gleich bleibend zwischen 30 und 35 Milliarden Mark um und beschäftigt rund 85000 Menschen.

Kliniker schätzen, dass bis zu drei Viertel der Alkoholiker, die zu einer stationären Entwöhnungsbehandlung kommen, gleichzeitig an anderen spezifischen organischen Folgekrankheiten des Alkoholkonsums leiden. Leberschäden stellen nur einen Teil davon dar. Auch betreibt von den Patienten unter 65 Jahren, die einen allgemeinen Arzt aufsuchen, rund jeder zehnte chronischen Alkoholmissbrauch – wie etwa jeder fünfte derjenigen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es gibt kaum ein Organ, welches nicht in Folge des chronischen Alkoholgenusses geschädigt werden kann. Darum ist es wichtig, dass niedergelassene Ärzte wie Kliniker mit alkoholassoziierten Krankheiten rechnen, sie erkennen und den Zusammenhang gegebenenfalls auch ansprechen. Mediziner unterscheiden dabei allerdings zwischen vorübergehenden ("akuten") und dauerhaften ("chronischen") Organschäden.

Auch verursacht der in den Getränken enthaltene Alkohol selbst direkt nur einen Teil der Reaktionen. Manche seiner Abbauprodukte sind ebenfalls giftig. Und auch andere Inhaltsstoffe von Alkoholika setzen Organen zu. Einige werden erst im Körper in toxische oder Krebs erregende Substanzen umgewandelt.

Beispielhaft möchten wir einige der häufigsten körperlichen Schädigungen infolge Alkoholkonsums beschreiben. Der Alkohol selbst ist zwar nach heutigem Wissen kein Kanzerogen, also für die Zellen nicht unmittelbar Krebs erregend, jedoch für die Gewebe ein Gift.

Bereits kleine Mengen der chemischen Verbindung "Ethanol" – des in den Getränken enthaltenen Gärprodukts (fachsprachlich auch Ethylalkohol genannt) – greifen direkt die Schleimhautzellen von Mundhöhle, Speiseröhre und Magen an. Viele Zellen entzünden sich oder sterben sogar ab. Mediziner sprechen von "Erosion". Wenn man mehrere Schnäpse trinkt, ruft dies besonders in der unteren Speiseröhre akute Entzündungen hervor, was wegen der Aktivierung von Immunreaktionen den Schaden noch steigert. Hinzu kommt, dass ein höherer Blutalkoholspiegel die regelmäßigen Muskelkontraktionen der Speiseröhre hemmt, die den Inhalt in den Magen befördern. Auch der Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre erschlafft. Magensäure beziehungsweise der saure Mageninhalt gelangen dann leicht in die Speiseröhre und sogar bis in den Mund und reizen die entzündeten Schleimhäute noch mehr. Der Patient verspürt Sodbrennen, saures Aufstoßen und schmerzhafte Schluckbeschwerden. In ernsten Fällen verengt sich die entzündete Speiseröhre so stark, dass eine Operation notwendig wird. Die erschlaffte Muskulatur ist auch der Hintergrund, weshalb schlafende Betrunkene an Erbrochenem ersticken können.

Schäden durch Alkohol an der Magenschleimhaut beschrieb der kanadische Arzt William Beaumont bereits 1833, als er einen Patienten mit einer Bauchwunde behandelte, in dessen Magen er hineinsehen konnte. Wenn dieser Mann viel Alkohol getrunken hatte, rötete und entzündete sich die Schleimhaut kurz darauf stark und bildete einen trüben Schleim.

Heute wissen wir, dass vor allem höherprozentige Getränke wie Whisky und Cognac, aber auch Bier und Wein die Magenschleimhaut reizen und anschwellen lassen. Sie rufen akute Entzündungen, Einblutungen und Zellabschilferungen hervor, wobei Zellen direkt absterben. Mitunter tritt dann eine blutige alkoholische Magenschleimhautentzündung auf, eine "akute erosive Gastritis". Der Patient merkt davon meist nichts, weil er keine Schmerzen verspürt. Allerdings wirkt mit Wasser verdünnter purer Alkohol oft verheerender als manches alkoholische Getränk vergleichbaren Alkoholgehalts. Diese Getränke, etwa Rotwein, enthalten offenbar "Schutzstoffe", welche die Reizstoffe "abpuffern".

Über welchen Mechanismus alkoholische Getränke als Aperitif ("Appetitanreger") und Digestif ("Verdauungshilfe") wirken und eine voluminöse Mahlzeit besser verträglich machen, ist weitgehend unbekannt. Möglicherweise werden dadurch bestimmte Signalstoffe freigesetzt, welche die Verdauung auch über das Gehirn aktivieren. Der Alkohol selbst regt die Magensäureproduktion, wenn überhaupt, nur in niedrigen Konzentrationen bis zu fünf Volumenprozent an. Hochprozentige Alkoholika ab etwa zwanzig Volumenprozent hemmen die Säureproduktion sogar. Wie wir jüngst am Beispiel von Bier nachwiesen, wirken hingegen bestimmte Nebenprodukte des Gärprozesses stimulierend: nämlich Bernsteinsäure und Maleinsäure. Destillierte Getränke fördern die Magensäure-Sekretion praktisch nicht.

Die Schleimhaut des Dünndarms wird durch Alkohol ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Akut treten Rötungen, Zellabschilferungen und kleinere Blutungen auf. Wie im Magen wirkt der Alkohol einerseits beim Kontakt direkt toxisch auf die Zellen und löst andererseits einen Entzündungsprozess aus, der die Durchblutung des Dünndarms behindert. Vorübergehend stört das auch die aktive Aufnahme von Nährstoffen durch die Darmwand.

Die meisten dieser akuten Veränderungen nach Alkoholgenuss bilden sich bald wieder zurück. Allerdings dauert es zum Beispiel mehr als 24 Stunden, bis eine blutige Magenschleimhautschädigung nach dem Genuss eines scharfen Getränks abheilt. Dass die fortgesetzten Erosionen, die bei regelmäßigem Alkoholkonsum auftreten, langfristig chronische Schäden hervorrufen können, ist evident.

Wie stark viele verschiedene krankhafte Prozesse ineinander greifen, lässt sich gut am Beispiel des Dünndarms beschreiben. Bei ständiger Entzündung schwindet die Oberfläche dieses Darmabschnitts. Das wurde bei Männern nachgewiesen, die mehr als 60 Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen, und bei Frauen, die täglich mehr als 30 bis 40 Gramm konsumieren. Wahrscheinlich hemmt das Ethanol die normale regelmäßige Zellerneuerung. Der Organismus leidet dadurch bald an Nährstoffmangel. Besonders Traubenzucker – den wichtigsten Energielieferanten – und Aminosäuren, aus denen Proteine aufgebaut werden, erhält der Körper nun nicht mehr in nötiger Menge. Solche Patienten verlieren Gewicht. Und sie leiden an Durchfall. Denn infolge der Mangelernährung funktioniert auch der Wasser- und Elektrolythaushalt nicht mehr gut. Hinzu kommt, dass in dem gestörten Milieu Bakterien wuchern, die normalerweise im Dünndarm nicht vorkommen. Wenn gleichzeitig die Bauchspeicheldrüse chronisch entzündet ist, was bei Alkoholmissbrauch oft vorkommt, und sie deswegen nicht genügend Verdauungsenzyme liefert, kann die Nahrung schon wegen Enzymmangels nicht hinreichend aufgeschlossen werden.

Die bei chronischem Alkoholmissbrauch häufigen Lebererkrankungen und viele andere typische Organschäden dürften zu einem wesentlichen Teil auf die Verdauungsstörungen im Dünndarm zurückgehen. Im oberen Dünndarm gelangen durch die geschädigte Schleimhaut fatalerweise vermehrt schädliche Stoffe ins Blut und in die Lymphe. Darunter sind sehr große Moleküle, die eigentlich vorher hätten zerlegt werden müssen, außerdem so genannte Endotoxine, bakterielle Gifte. Auf die "Blutvergiftung" reagieren Immunzellen. Sie setzen im ganzen Körper entzündliche Stoffe frei, Cytokine und Interleukine, die auch Leber und Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft ziehen. Wie das im Einzelnen abläuft, ist allerdings noch Gegenstand der Forschung.

Regelmäßiger Alkoholkonsum steigert erheblich das Risiko für viele Krebsarten. Je mehr jemand trinkt, umso höher wird es. Ethanol selbst wirkt zwar wohl nicht direkt Krebs erregend. Doch durch Alkohol vorgeschädigte Zellen sind durch Kanzerogene besonders angreifbar. Diese nehmen wir mit Nahrungsmitteln auf, oder sie entstehen in der Leber aus Vorstufen. Auch Alkoholika enthalten solche Substanzen. Eine gesunde Leber kann Kanzerogene und Gifte weitgehend entschärfen. Doch unter Alkoholeinfluss vermag sie das viel weniger, zumal der Alkohol selbst diese Funktionen mindert: Denn die Leber baut den Alkohol immer bevorzugt ab. So häufen sich die Krebs erregenden Verbindungen im Blut und haben zu den entzündeten, darum besonders verletzlichen Schleimhäuten lange Kontakt – ein Teufelskreis.

Schon bei nicht sonderlich großen Trinkmengen wächst die Gefahr, dass sich in der Schleimhaut von Mundhöhle, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre bösartige Tumoren bilden, so genannte Karzinome. Hierbei ist die Alkoholmenge entscheidend; die Art des Getränks spielt anscheinend keine große Rolle. Einer neuen Heidelberger Studie zufolge steigt das Risiko, an einem Mundhöhlen- oder Kehlkopfkrebs zu erkranken, bei 75 bis 100 Gramm Alkohol täglich, also schon drei bis vier großen Bieren oder einer Flasche Wein, um mehr als das Dreizehnfache. Wenn jemand außerdem raucht, wird das Risiko noch deutlich höher. Obwohl Alkohol ei-ne akute Gastritis hervorrufen kann, steigt aber nach heutigem Wissen bei häufigem Alkoholmissbrauch das Risiko für eine chronische Magenschleimhautentzündung, ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür und für Magenkrebs nicht.

Erosion mit Folgeschäden

Aber die Gefahr für Enddarmkrebs steigt durch Alkoholgenuss, höchstwahrscheinlich auch die für Dickdarmkrebs. Gutartige Dickdarmpolypen bilden sich zwei- bis dreimal so häufig wie sonst. Wer am Tag mehr als einen Liter Bier trinkt, bekommt Enddarmkrebs mit dreifach höherer Wahrscheinlichkeit. Dafür dürften mehrere Vorgänge verantwortlich sein. Zum einen schädigt der Alkohol im Blut selbst schon die Schleimhautzellen des Enddarms. Zusätzlich malträtiert sein giftiges Abbauprodukt Acetaldehyd die Erbsubstanz der Zellen. Offenbar "verdauen" im Enddarm lebende Bakterien Alkohol, der aus dem Blut in den Enddarm diffundiert, zum giftigen Acetaldehyd. Und auch dort werden Krebs erregende Inhaltsstoffe der Getränke wirksam, die ebenfalls im Blut zum Enddarm gelangen. Sie haben in dem Fall besonders leichtes Spiel, weil Ethanol bei stetigem Konsum dafür sorgt, dass sich diese Schleimhautzellen ungewöhnlich oft teilen. Das macht sie aber besonders empfindlich gegenüber toxischen und Krebs auslösenden Substanzen.

Weithin bekannt sind die alkoholbedingten Erkrankungen der Leber, des wichtigsten Entgiftungsorgans, das auch den Großteil des Ethanols entsorgen muss und dadurch stark belastet wird. Die Häufigkeit von Fettleber, Leberfibrose und Leberzirrhose korreliert eng mit dem täglichen Alkoholkonsum. Das Risiko steigt für Männer deutlich ab 40 bis 60 Gramm Alkohol täglich, für Frauen schon ab 20 bis 30 Gramm. Eine Fettleber kann schon nach kurzem Missbrauch entstehen, eine Leberfibrose beziehungsweise -zirrhose nach mehrjährigem Alkoholabusus. Es ist bei Männern ab 60 Gramm pro Tag sechsfach erhöht, ab 80 Gramm vierzehnfach. Frauen haben schon bei 12 Gramm Alkohol täglich, einem Glas Bier, ein höheres Risiko für eine Leberzirrhose.

Einerseits schädigen Ethanol und sein giftiges Abbauprodukt Acetaldehyd selbst die Leberzellen. Zu den wichtigsten Ursachen für alkoholinduzierte Lebererkrankungen gehören vermutlich aber auch durch den Alkohol hervorgerufene Immunreaktionen. So scheinen Bestandteile von Darmbakterien (Endotoxine) und bestimmte Botenstoffe (Interleukine und Cytokine) an den verschiedenen Organen chronische Entzündungen hervorzurufen, die schließlich Organschäden bedingen. Hinzu kommen genetische Voraussetzungen.

Bei einer bereits vorhandenen Leberentzündung wie einer chronischen Hepatitis beschleunigt Alkohol deren Verlauf. Das gilt insbesondere für die Hepatitis-C-Infektion, aus der oft eine Zirrhose und später Leberkrebs entsteht. Schon bei mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag vermehrt sich das Hepatitis-C-Virus deutlich schneller. Die Patienten müssen ganz auf Alkoholika verzichten. Bei einer ausgeheilten Hepatitis-B-Infektion ohne bleibenden Gewebeschaden muss man nicht ganz so vorsichtig sein. Zur Zeit haben allein in Deutschland rund 1,4 Millionen Menschen eine chronische Hepatitis, davon etwa 600000 eine Hepatitis-C ("Hepatitis C: Die stille Volksseuche", Spektrum der Wissenschaft 3/2000, S. 28). Die Rate der jährlichen Neuinfektionen liegt bei 15000.

Weniger bekannt ist, dass auch die Bauchspeicheldrüse Alkoholgenuss auf die Dauer oft nicht aushält. Wer täglich mehr als 80 Gramm Ethanol konsumiert, was etwa einem Liter Wein entspricht, riskiert hochgradig eine "chronische alkoholische Bauchspeicheldrüsenerkrankung" oder "Pankreatitis". Diese äußert sich in Schüben mit starken Bauchschmerzen. Die Drüse bildet dann ungenügend Verdauungsenzyme und zu wenig des Blutzuckerhormons Insulin, was auch erklärt, wieso Alkoholmissbrauch oft Diabetes nach sich zieht. Vorwiegend Männer mittleren Alters sind von der alkoholbedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung betroffen. Bei ihnen manifestiert sich das Leiden klinisch im Mittel nach siebzehn, bei Frauen nach zehn trinkfreudigen Jahren. Offenbar ist nicht die Art des Getränks, sondern die absolute tägliche Alkoholmenge entscheidend. Als Risikodosis gelten schon zwanzig Gramm am Tag, aber auch weniger scheint nicht mit Sicherheit unbedenklich zu sein. Eine untere Schwellendosis ist nicht nachzuweisen.

Wieso entzündet sich die Bauchspeicheldrüse? Möglicherweise bildet sie ein zu dickflüssiges Sekret, weil der Alkohol bewirkt, dass die Abgabe von Wasser und Bikarbonat sinkt, die der Proteine (Verdauungsenzyme) aber gesteigert wird und auch die Konzentration von Calcium im Sekret ansteigt. Nun entstehen Calcium-Kristalle und Proteinablagerungen. Dadurch würden die kleinen Ausführungsgänge der Bauchspeicheldrüse mit der Zeit verkalken und verstopfen. Auch könnten Enzyme aus den Gängen in das umgebende Drüsengewebe übertreten, denn Alkohol macht deren Wände durchlässiger. Die Folgen: Entzündungen, Selbstverdauung von Teilen des Organs und Umbau des Drüsengewebes in Bindegewebe. Letzteres, "Fibrose" genannt, kann schließlich die gesamte Bauchspeicheldrüse erfassen. Neuere Befunde lassen überdies annehmen, dass der Alkohol direkt die Zellen schädigt, welche die Verdauungsenzyme bilden.

Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung bedeutet ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Alkohol löst den Krebs zwar nicht direkt selbst aus, fördert ihn wegen der Entzündung aber indirekt.

Immer wieder verlautet, dass alkoholische Getränke in Maßen dem Herzen und den Gefäßen gut tun. Doch sie können dem Herz-Kreislauf-System auch sehr schaden. Wohl senkt geringer bis mäßiger Konsum nachweislich das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko etwas. Doch dies gilt nur mit Einschränkunge. So scheinen dank regelmäßigen Alkoholkonsums nur solche Hirninfarkte seltener zu werden, die wegen arteriosklerotischer Gefäßverengungen auftreten. Schlaganfälle durch Gefäßblutungen ("platzende Äderchen") vermindern sich nicht. Auch wirken nur bis zu vierzehn Gramm Ethanol pro Tag schützend. Ab vierzig Gramm steigt das Schlaganfallrisiko sogar. Und gelegentliche Besäufnisse erhöhen die Gefahr generell, auch wenn die Person sonst wenig trinkt.


Gefahr für Herz und Blutdruck

Das Risiko einer koronaren Herzerkrankung und in letzter Konsequenz des Herzinfarkts scheint dagegen durch Alkohol auch geringer zu werden, wenn jemand ziemlich viel trinkt. Der Effekt ist von der Art des Getränks unabhängig, gilt also nicht nur für Rotwein. Alkohol sorgt für mehr günstige und weniger ungünstige Blutfette (sprich Cholesterin). Die Mediziner vermuten, dass Alkohol das Blut "geschmeidiger" macht, deswegen weniger Gefäßverkalkungen auftreten und das Blut nicht so schnell gerinnt. Der Effekt ist ähnlich wie der von Aspirin, das Herzkranke zur "Blutverdünnung" erhalten. Er liegt auch in einer ähnlichen Größenordnung: Er senkt das Risiko um etwa ein Drittel. Besonders im Rotwein scheinen außerdem phenolische Inhaltsstoffe schützend zu wirken. Die Phenole senken auch den Blutdruck, weil sie die Gefäße erweitern.

Stärkeren Alkoholkonsum kann das Herz auf Dauer dennoch nicht verkraften. Ethanol wirkt auf die Herzmuskelzellen giftig. Ein chronischer Missbrauch belastet das Organ dadurch so stark, dass es sich erweitert und eine behandlungsbedürftige Herzschwäche entsteht. Auch Herzrhythmusstörungen treten oft auf.

Patienten mit Bluthochdruck – Hypertoniker – sollten möglichst auf Alkohol verzichten, denn die Droge erhöht den Blutdruck. Oft verbessern sich die Werte schon, wenn jemand weniger trinkt. Männer müssen ab dreißig Gramm Alkohol täglich, Frauen ab zwanzig Gramm, mit messbar erhöhtem Blutdruck rechnen.

Bei jedem Alkoholexzess gehen Millionen von Hirnzellen direkt an der Vergiftung zugrunde. Sie werden offenbar nicht wieder ersetzt. Das Gehirn eines Alkoholikers verliert deswegen mit den Jahren merklich an Masse. Darunter leiden auch die Gehirnfunktionen. Hinzu kommen Schädigungen von anderen Teilen des zentralen und des peripheren Nervensystems. Die Ärzte diagnostizieren dann charakteristische neurologische Funktionsstörungen. Sie reichen von Wahrnehmungsverlusten und Gedächtniseinbußen über Störungen der Bewegungskoordination bis zu übermäßiger Druckempfindlichkeit, Muskellähmungen und gefühllosen Hautpartien.

Tragisch und erschreckend ist, dass werdende Mütter das Ungeborene durch Alkohol nachhaltig schwer schädigen können. Im Blut des Kindes erreicht die Droge rasch die gleiche Konzentration wie in dem der Mutter. Der kindliche Organismus verfügt aber noch kaum über Entgiftungsmechanismen, ist den Giften darum völlig ausgeliefert. Die toxischen Substanzen schädigen Zellen und behindern verschiedenste Wachstums- und Differenzierungsprozesse. Die Neugeborenen haben oft Untergewicht und wachsen auch später schlechter als gesunde Kinder. Sie weisen häufig am Skelett und an verschiedenen Organen Fehlbildungen auf, so an Herz, Nieren oder den Genitalien. Typisch sind auch ein zu kleiner Hirnschädel, Augenfehler und auffällige Gesichtsbildungen. Vielfach sind diese Kinder mehr oder minder schwer geistig behindert. In der ersten Zeit der Schwangerschaft ist die Gefahr durch Alkohol für das Kind am größten, weil sich dann seine Organe, darunter auch das Gehirn, entwickeln und die Zellen sich besonders oft teilen und in eine bestimmte Richtung entwickeln müssen. Leider haben Frauen jedoch nach der Empfängnis gewöhnlich keine Aversion gegen Alkoholika.

Die meisten körperlichen Fehlbildungen bei Neugeborenen gehen auf den Alkohol selbst und seine Abbauprodukte, besonders das giftige Acetaldehyd, zurück. Jedes dreihundertste Neugeborene ist davon betroffen. Noch mehrfach häufiger sind leichtere Hirnschäden und komplexe Hirnfunktionsstörungen. Abgesehen von Erbdefekten gehört Alkohol damit zu den bedeutendsten Ursachen geistiger Entwicklungsstörungen.

Offensichtlich stellt die von der Mutter getrunkene Alkoholmenge kein Maß dafür dar, ob und wie gravierend die Schäden beim Kind sind. Nach bisherigen Befunden existiert auch kein unbedenklicher unterer Grenzwert. Nachgewiesen wurde aber: Wenn die Schwangere täglich 29 Gramm Alkohol trinkt, vermindert dies die Intelligenz des Kindes irreversibel um durchschnittlich sieben IQ-Punkte. Nur die anfängliche Hyperaktivität verliert sich im Laufe der Zeit. Fast jedes zweite betroffene Kind kann nur eine Sonderschule besuchen; keines erreicht die Oberschulreife, und nur wenige gelangen in einen qualifizierteren Beruf. Lediglich etwa jedes neunte kann später selbstständig leben und eine Familie gründen.

Fatalerweise werden rund ein Drittel dieser jungen Menschen später alkoholsüchtig oder von anderen Drogen abhängig. Denn im Embryo und Fötus fördern Ethanol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd eine spätere Disposition für Sucht.

Genuss mit Schattenseiten

Wieso ist Alkohol trotz der Schäden, die er verursacht, so beliebt? Warum wird in der westlichen Welt sogar immer mehr davon konsumiert? Die Hintergründe sind zwar nicht völlig geklärt. Doch dürften hierbei viele Faktoren zusammenwirken. Sicher spielt dabei mit, dass Alkohol beruhigt, die Stimmung aufhellt, Stress dämpft, Angst löst. Menschen, die fast täglich ein oder zwei Glas trinken, fühlen sich nach Umfragen zufriedener und subjektiv auch gesünder als Personen, die Alkohol weitgehend meiden. Erstere neigen offenbar auch weniger zu depressiven Verstimmungen als Letztere, übrigens auch weniger als starke Trinker. Bei älteren Menschen soll Alkohol die geistige Leistungsfähigkeit vorübergehend verbessern.

Medizinisch gesehen wäre moderates Trinken der Konsum einer nicht schädlichen Menge Alkohols. Die Schwelle zum Missbrauch aus medizinischer Sicht ist aber individuell sehr verschieden und darum nicht festlegbar, weswegen sich allgemeine Empfehlungen verbieten. Überdies verstehen die einzelnen Kulturkreise unter mäßigem Trinken durchaus Verschiedenes. Das schwankt zwischen 3 und mehr als 150 Gramm, so viel wie in zwei Litern Wein. Diese Menge schadet mit Sicherheit Herz und Kreislauf. Sogar hier zu Lande variieren die Angaben für untere Grenzwerte erheblich, zwischen 17 und 40 Gramm täglich für Männer und 12 bis 20 Gramm für Frauen. Neuere epidemiologische Studien belegen, dass das Krankheitsrisiko schon oberhalb dieser unteren Grenzwerte steigt.

Wie der Körper unmittelbar auf Alkoholkonsum reagiert, hängt im Einzelfall nicht nur von der Alkoholmenge ab. Von anderen Erkrankungen abgesehen wirken sich auch Vorerfahrungen mit der Droge und die pharmakologische Toleranz des Betreffenden aus – die individuell verschieden ist und bei regelmäßigem Konsum zunächst steigt. Wichtig sind auch Stimmung und Umgebung. So funktioniert die Stressdämpfung nicht bei allen Menschen gleich stark. Besonders effektiv können diese Wirkung von Alkoholika offenbar solche Personen nutzen, in deren Familie man mit geistigen Getränken seit je kontrolliert umgeht. Menschen, die mäßig, aber fast täglich trinken, scheinen mit belastenden Lebensereignissen besser umgehen zu können und in der Selbsteinschätzung ihrer Gesundheit zufriedener zu sein als Abstinente oder unbeherrschte Trinker. Solche günstigen Wirkungen bedürfen freilich noch der Bestätigung.

Dagegen stehen allerdings gut dokumentierte unerwünschte psychische Effekte eines mäßigen Alkoholgenusses. So besteht bei dauerhaftem moderatem Konsum zumindest für Männer die Gefahr, dass sich mit der Zeit Depressionen einstellen. Bei übermäßigem Konsum gilt dies für beide Geschlechter.

Der individuelle Konsum hängt aber auch mit dem soziokulturellen Hintergrund, mit Umwelteinflüssen und Verhaltensnormen zusammen – samt Anreizen und Möglichkeiten, Alkohol zu erwerben. Großen Einfluss hat die familiäre und berufliche Situation. Und nicht zuletzt spielen die genetische Veranlagung und die Stoffwechsellage eine Rolle dabei, wie jemand physiologisch und psychisch, momentan und langfristig auf Alkohol reagiert und wie leicht er eine Sucht entwickelt. Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien erweisen eindeutig eine genetische Prädisposition für die Alkoholkrankheit. Belegt ist auch, dass genetische Faktoren bei der Entwicklung des individuellen Trinkmusters mitwirken. Männer, die Alkoholmissbrauch betreiben, unterliegen vor allem Umwelteinflüssen der Kindheit und Jugend. Das Konsumprofil von Frauen wird dagegen zunächst hauptsächlich genetisch, erst mit zunehmendem Alter immer mehr durch Umweltbedingungen reguliert.

Eine Alkoholsucht bahnt sich gewöhnlich allmählich an. Die Grenze ist meist schwer zu ziehen – doch schätzungsweise jeder siebte Mensch, der regelmäßig Alkoholika trinkt, befindet sich bereits in einem Frühstadium der Abhängigkeit. Das erhellt auch die Verantwortung der Mitmenschen, die zum Trinken am Arbeitsplatz oder in gemütlicher Runde animieren. Doch die Betroffenen selbst und ihre Umgebung pflegen die ersten Warnsignale in der Regel zu verleugnen.

Schmaler Grat zur Abhängigkeit

Mediziner unterscheiden bei der Entwicklung von Alkoholsucht vier Phasen: Den Anfang macht der häufige Drink zwischendurch zur Belebung, Beruhigung oder Erleichterung. Bedenklicher wird es schon, wenn jemand heimlich trinkt, sich Alkoholvorräte anlegt, öfter wegen zu viel Trinkens Erinnerungslücken hat. Die "kritische Phase" ist dann eingetreten, wenn der Mensch den Konsum nicht mehr begrenzen kann, auch, wenn er vergeblich versucht, mit dem Trinken ganz aufzuhören. Oft kann er nun seine Arbeit nicht mehr gut bewältigen. Seine Interessen engen sich immer mehr ein, er denkt nur noch an den nächsten Drink. In der "chronischen Phase" schließlich wird der Patient auch körperlich immer hinfälliger. Er ist oft betrunken, mitunter tagelang, "verträgt" dabei Alkohol immer weniger, denn die Leber ist schon schwer geschädigt. Er leidet auch unter schweren körperlichen Folgeschäden, bis zum Delir mit Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Schwer Alkoholabhängige neigen auch zu anderen psychischen Erkrankungen, etwa zu Depressionen und Angstzuständen. Häufig besteht erhöhte Selbstmordgefahr.

Doch nicht jeder, der viel Alkohol konsumiert, also Missbrauch betreibt, ist abhängig, d. h. "süchtig". Wahrscheinlich spielt dabei auch eine Veranlagung mit. Manche Menschen werden trotz starken Konsums über Jahre nicht körperlich abhängig. Nach den Verhaltens- und Reaktionsmustern unterscheiden Mediziner mehrere Arten des Missbrauchs. Der amerikanische Arzt Elvin Morton Jellinek (1890–1963) unterschied vor vierzig Jahren fünf Typen von Alkoholikern:

- Der Alpha-Typ "ertränkt" mit dem Alkohol Probleme und Konflikte. Psychisch sind diese Personen zwar abhängig, körperlich aber nicht. Sie könnten im Prinzip jederzeit zu trinken aufhören.

- Der Beta-Typ, der "Gewohnheitstrinker", trinkt bereits immerhin so viel und oft, dass ihm dies körperlich schaden kann, ist aber nicht körperlich abhängig, d. h., leidet bei Abstinenz nicht an körperlichen Entzugssymptomen. Diese Personen trinken regelmäßig über den Durst.

- Der Gamma-Typ ist süchtig nach Alkohol, d. h. psychisch und körperlich abhängig. Wenn er länger keinen Alkohol trinkt, leidet er auch körperlich. Nach dem ersten Schluck trinkt er weiter bis zum Rausch – er verliert die Kontrolle über den Konsum.

- Der Delta-Typ ist der "Spiegeltrinker". Er "braucht" stets einen gewissen Alkoholspiegel. Andernfalls leidet er unter körperlichen Entzugssymptomen.

- Der Epsilon-Typ ist der "Quartalssäufer", der sich in Abständen, dann tagelang und bis zur Besinnungslosigkeit, betrinkt. Er ist psychisch abhängig und kann, einmal angefangen, nicht wieder aufhören.

Nicht Alkoholismus an sich, sondern eigentlich der Missbrauch jeder Art mit seinen gesundheitlichen, sozialen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen stellt für die Gesellschaft das größere Problem dar. Trunkenheit und Trunksucht verursachen große ökonomische Verluste durch Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Verkehrsunfälle und Straftaten, ganz abgesehen von den körperlichen und seelischen Schäden bei den Opfern und ihren Angehörigen. Rund ein Drittel der Gewalttaten in der Familie geschehen unter Alkoholeinfluss. Auch in anderer Weise leidet das soziale Umfeld von Trinkern. In der Bundesrepublik dürften fünf bis sieben Millionen Menschen in enger Gemeinschaft mit einem Alkoholiker leben.

Wieso manche Menschen süchtig werden und andere nicht, verstehen Mediziner inzwischen teilweise. Der Arzt Wilhelm Feuerlein, der am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München arbeitete, hat 1998 mit einem Modell drei große ursächliche Faktorengruppen herausgestellt, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken können – und denen der Betroffene dann allein nicht mehr auszuweichen vermag. Nach diesem Modell besitzt Alkohol erstens ein großes Suchtpotenzial. Er verändert Nervenzellsignale im Gehirn, auch besonders in Zentren, die den Umgang mit Emotionen steuern. Eben das kann bei manchen Menschen dauerhafte Verschiebungen der neuronalen Erregungsmuster auslösen. Dazu kommen zweitens spezifische körperliche und psychische Eigenschaften des Konsumenten, die genetisch und lebensgeschichtlich geprägt sind. Drittens wirken sich Besonderheiten des Umfeldes aus. Sie reichen von den allgemeinen soziokulturellen und sozioökonomischen Einflüssen bis zu Merkmalen des individuellen Kleinraumes, also vornehmlich von Familie, Arbeitswelt, Wohnqualität und wirtschaftlicher Situation.

Sucht nach Wohlbefinden

"Die Begierde nach häufiger Trunkenheit ist eine durch die chemische Natur der alkoholischen Getränke hervorgerufene Krankheit." So äußerte sich 1788 der schottische Arzt Thomas Trotter (1760–1832). Was geschieht dabei im Gehirn?

Unser Gehirn verfügt offenbar über ein "Wohlbefindlichkeitssystem", das eng mit unseren Motivationen verknüpft ist. Manchmal wird es auch "Belohnungssystem" genannt. Es hilft uns, Verhalten anzustreben, das Wohlbefinden bewirkt. Dieses System ist weit verzweigt und weist auch Ausläufer in vordere Gehirnbereiche auf. Die Stimmungsaufhellung durch Alkohol scheint zu Stande zu kommen, weil dann bestimmte Bahnen aktiviert werden, die "Endorphine" freisetzen, körpereigene Opiate. (Ihren Namen erhielten sie, weil Morphin und andere Opiate an ihrer Stelle mit den Nervenzellen kommunizieren können.)

Dieser Vorgang kann sich offenbar "einschleifen". Wiederholte Drogengabe sensibilisiert das Wohlbefindlichkeitssystem für die betreffende Substanz: Es reagiert nun auf die gleiche Alkoholmenge stärker. Auch setzen sich bestimmte Verhaltensmuster fest. Außerdem wird dieses System später schon im Vorfeld des Drogenkonsums aktiviert. Als Anstoß genügt etwa schon, zufällig an der Stammkneipe vorbeizukommen oder einen Trinkkumpan zu treffen. Unangenehme Erinnerungen aktivieren das System ebenfalls: Auch sie motivieren deswegen zum Alkoholkonsum.

Einen Alkoholentzug bewertet dieses System offenbar negativ. Der Entzug erzeugt deswegen starke Angst, die der Süchtige nach allen Kräften und mit allen Mitteln zu beheben versucht. Auch hierbei scheint eine Art Lerneffekt mitzuwirken: Mit wiederholten Entzügen wird diese Angstreaktion stärker.

Mit dem Wohlbefindlichkeitssystem sind verschiedenste Signalstoffe verknüpft. An zentraler Stelle steht der Botenstoff Dopamin. Weil viele der molekularen Prozesse schon recht gründlich erforscht sind, können heutzutage chemische Substanzen entwickelt werden, die dem Alkoholiker bei seinem Ringen nach Abstinenz helfen. Im Fachjargon heißen diese Alkoholentwöhnungsmittel "Anti-Craving-Medikamente". Weil sie das Wohlbefindlichkeitssystem ansprechen, vermindern sie die Entzugssymptome und erleichtern es dem Patienten, einen Rückfall zu vermeiden. Diese Medikamente unterdrücken auch das Verlangen nach der Droge.

Nur etwa jedem zwanzigsten Alkoholiker gelingt es ohne Behandlung, abstinent zu leben. Eine fachlich gestützte Entwöhnung dagegen ist im Durchschnitt erfolgreicher als allgemein angenommen. Ob der Entzug ambulant erfolgen kann oder in einer Klinik durchgeführt werden muss, hängt vom Krankheitsstadium ab.

Nach der körperlichen Entgiftung, die einige Tage bis einige Wochen dauern kann, beginnt die eigentliche psychische Umgewöhnung, die sich über Monate hinzieht. Besonders in den ersten Wochen sind die Patienten extrem rückfallgefährdet. Jede Therapie muss darauf abzielen, die Motivation zum Trinken abzubauen und den Wunsch zur Abstinenz zu stärken. Dass der Patient seine Krankheit als solche einsieht, die Ursache seiner Abhängigkeit begreift und seine Einstellung zum Alkohol grundlegend überdenkt, ist dabei ebenso wichtig wie der Aufbau spezifischer Abwehrmechanismen gegen das Trinken. Der Unterstützung aus dem sozialen Umfeld kommt dabei große Bedeutung zu. Erheblich wirken in diesem Prozess auch die Angst vor Sanktionen wie Führerscheinentzug, Trennung vom Partner oder Verlust des Arbeitsplatzes mit.

Beim Entzug bestehen die besten Aussichten, wenn der Patient nach der Entgiftung in einer Klinik mindestens für mehrere Monate in psychotherapeutischer Behandlung bleibt. In schweren Fällen empfiehlt es sich, den Patienten zunächst eine Zeit lang in einer entsprechenden Einrichtung stationär zu betreuen und ihn dann unbedingt ambulant weiter zu unterstützen. Bis zu jedem zweiten schwer Trunksüchtigen gelingt es unter diesen Voraussetzungen, langfristig dem Alkohol zu entsagen.

Eine stationäre Rückfallvorsorge erfährt pro Jahr in Deutschland aber nur ungefähr jeder hundertste Alkoholabhängige. Das ist nur ein kleinerer Teil von den zweieinhalb Prozent der Alkoholkranken, die einmal oder mehrfach jährlich entgiftet werden. In Beidem, besonders aber bei der Nachbehandlung, besteht also hier zu Lande ein erhebliches Defizit.

Dringend erforderlich sind deshalb neue Behandlungskonzepte. Die ärztliche Versorgung muss gemeindenah sein, sofort nach der Klinikbehandlung einsetzen und vom Hausarzt in Zusammenarbeit mit einem Suchttherapeuten geleistet werden können. Die Ärzte benötigen dazu eine besondere Schulung. Doch die Fort- und Weiterbildung in Suchtmedizin liegt sehr im Argen. Begrüßenswert ist darum, dass vor zwei Jahren am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit der Universität Heidelberg der erste deutsche Lehrstuhl für Suchtforschung eingerichtet wurde – ein erster Schritt, um dem Defizit zu begegnen. Der erste Inhaber des Lehrstuhls Karl Mann fordert, dass leichter abhängige und weniger geschädigte Alkokolkranke neben der ambulanten Betreuung durch den Hausarzt unbedingt an Selbsthilfegruppen teilnehmen sollten, wie den Anonymen Alkoholikern, den Blaukreuzlern oder Guttemplern. Außerdem plädiert er dafür, bei jedem Patienten zu prüfen, ob eine medikamentöse Unterstützung der Abstinenz angebracht sei, mindestens für die ersten sechs Monate nach dem Entzug.

Eine Reihe von Alkoholentwöhnungsmitteln, die das Wohlbefindlichkeitssystem des Gehirns beeinflussen, sind verfügbar. Klinischen Prüfungen zufolge scheinen vor allem Acamprosat (Campral) und Naltrexon (Nemexin) die Entzugssymptome zu vermindern und die Gefahr eines Rückfalls zu verringern. Etliche Studien zeigten, dass doppelt so viele Patienten – über vierzig Prozent – im ersten Jahr nach dem Entzug abstinent bleiben, wenn sie Acamprosat einnehmen, als wenn sie ein Scheinmedikament erhalten. Der Erfolg hält auch nach Absetzen des Medikaments an.

In der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen die sozialen und gesellschaftlichen Folgen von Missbrauch, weniger die gesundheitlichen Gefahren bei mäßigem Konsum. Über die Wirkungen von moderatem Alkoholgenuss besteht noch viel Forschungsbedarf. Fest steht nur: Ethanol ist viel schädlicher als früher angenommen. Wenn man nur die Sterblichkeit misst, wird man der Sache nicht gerecht. Der Einfluss von Alkohol auf Behinderungen dürfte sehr viel gravierender sein als sein Einfluss auf die Sterblichkeit. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation beruhen auf Alkohol zwei Prozent der Sterblichkeit, aber dreieinhalb Prozent der Krankheiten und mehr als sechs Prozent der durch Behinderung "verlorenen" Lebensjahre. Dagegen steht die mit sehr großer Vorsicht zu interpretierende errechnete drei- bis vierprozentige Senkung der Sterblichkeit, die durch die Wirkung von moderatem Alkoholkonsum auf das Herz-Kreislauf-System erzielt werden kann. Unsere Gesellschaft hat somit ein erhebliches Alhokolproblem.

Alles in allem ist es unverantwortlich, zum Genuss alkoholischer Getränke zu animieren oder sie gar ohne Einschränkung zu propagieren. Denn Mäßigkeit ist nach den Werten zu bemessen, bei denen krankheitsvorbeugende Effekte weitgehend ausgeschöpft werden und nachteilige Konsequenzen unwahrscheinlich sind. Ein Glas dann und wann darf allenfalls der Arzt empfehlen – jenen Patienten, deren Risikostruktur er gut kennt. Risikofreies Alkoholtrinken gibt es nicht.

Literaturhinweise


Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten. Grundlagen – Diagnostik – Therapie. Von Manfred V. Singer und Stephan Teyssen (Hg.). Springer, 1999.

Lehrbuch der Suchterkrankungen. Von M. Gastpar, K. Mann und H. Rommelspacher (Hg.). Thieme, 1999.


Adressen


Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS), 59003 Hamm, PF 1369, Westring 2, Tel. 02381/9012-0

Österreich: Zentralstelle zur Bekämpfung des Alkoholismus. A–1150 Wien, Hackengasse 13.

Schweiz: Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme. CH–1003 Lausanne, Av. Ruchonnet 14. Tel.: 021/3212911


Glossar


Alkoholismus (Alkoholkrankheit, Alkoholabhängigkeit, Trunksucht)

Der Alkoholkranke verspürt ein unbezwingbares Verlangen nach Alkohol beziehungsweise nach Fortsetzung des Trinkens. Die Abhängigkeit entsteht allmäh-lich und steigert sich gewöhnlich über Jahre. Typisch sind der Kontrollverlust nach Trinkbeginn und der chronische Missbrauch. Der Begriff "Alkoholismus" kam Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Seit 1968 ist das Leiden in Deutschland als chronische Krankheit anerkannt. Unbehandelt führt die Alkoholkrankheit oft zum Tode.

Alkoholmissbrauch

Der Alkoholkonsum ist so hoch, dass er körperliche, psychische und soziale Schäden nach sich zieht. Nicht immer besteht zugleich Alkoholabhängigkeit.

Psychische Alkoholabhängigkeit

Das Verlangen nach Alkohol ist wegen seiner euphorisierenden, Stress mindernden Wirkung unbezwingbar. Der Entzug erzeugt Unruhe, depressive Verstimmungen, Angst.

Körperliche (physische) Alkoholabhängigkeit

Bei Abstinenz treten je nach Stadium leichte bis sehr schwere körperliche Entzugssymptome auf: insbesondere vegetative Störungen, Zittern, feuchte Hände, Schweißausbrüche, innere Unruhe, Herzjagen, Schlaflosigkeit, hoher Blutdruck, in sehr schweren Fällen auch Krämpfe, Halluzinationen und Bewusstseinstrübungen.


Alkohol im Stoffwechsel


Alkohol wird von Magen und Dünndarm rasch nahezu vollständig absorbiert. Ein Teil wird schon in den Schleimhäuten von Magen und Darm enzymatisch abgebaut. Vom Gesamtalkohol scheiden Lungen, Nieren und Haut bis zu einem Zehntel, meist deutlich weniger, unverändert aus. Den größten Teil zersetzen die Leberzellen.

In der Leber wandelt das Enzym "Alkoholdehydrogenase" (ADH) neunzig Prozent davon in das giftige Acetaldehyd um – dieses wird von der "Aldehyd-Dehydrogenase" entgiftet; fast zehn Prozent des Alkohols zerlegt ein System namens "MEOS", den Rest das Enzym "Katalase". Solange die Leber nicht erkrankt, "vertragen" chronische Trinker mehr, weil Blutalkoholwerte ab ein Promille das MEOS stimulieren. Dieses bildet dann besonders viele Alkohol abbauende Enzyme.

Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer, weil bei ihnen das Enzym ADH in der Magenschleimhaut weniger aktiv ist. Außerdem besitzt jeder Mensch andere Typen von ADH. Weil den meisten Japanern eines dieser Isoenzyme fehlt, vertragen sie Alkohol schlechter als andere Populationen.

Die so genannte Flush-Reaktion – Hautrötung durch Erweiterung der Blutgefäße, Benommenheit, Kopfschmerz, Herzklopfen und Übelkeit – beruht auf dem Mangel einer Isomerform der Aldehyd-Dehydrogenase. Das betrifft jeden zweiten Asiaten des pazifischen Raumes und jeden zehnten bis zwanzigsten Europäer.


Anstieg des Krebsrisikos

Um so viel steigert nur ein "Drink" (10 Gramm Alkohol) täglich die Krebsgefahr
Mundhöhle  30 %
Rachen        30 %
Kehlkopf     30 %
Speiseröhre 30 %
Leber          20 %
Brustdrüse   10 %
Dickdarm    5 %
Enddarm     5 %



Alkohol kein Arzenimittel


Alkoholische Getränke gehören zwar für viele von uns wie selbstverständlich zum Leben. Doch wäre es völlig falsch, sich das tägliche Glas Wein oder Bier aus Gesundheitsgründen selbst zu "verordnen". Denn Alkohol ist kein Medikament, sondern ein Gift. Darüber kann auch einseitige Werbung nicht hinwegtäuschen. Die Wirkung von Alkoholika bleibt ambivalent, auch die von Wein, selbst wenn etwa die Weinindustrie für den Konsum mit eingängigen Slogans wirbt wie: "Die frohe Botschaft vom gesunden Wein!" oder: "Das tägliche Gläschen Wein schützt Herz und Kreislauf!"

Unsere Gesellschaft lehnt nur den Missbrauch von Alkohol, etwa Trunkenheit oder Sucht, ab. Wenn Ärzte und Wissenschaftler betonen, dass bereits mäßiges Trinken aus Geselligkeit gesundheitsschädlich sei, werden sie deswegen leicht als Schwarzmaler und Spielverderber angeprangert. Die Verantwortung für Alkoholfolgeschäden wird bei uns noch immer dem einzelnen aufgelastet. Werbung für geistige Getränke gilt hingegen als marktkonform. In diesem Widerspruch ist der Verbraucherschutz gefragt. Die Bundesrepublik hat deswegen bereits vor einigen Jahren eine Studie "Alkoholkonsum und Krankheiten" in Auftrag gegeben, die kürzlich in der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit erschien. Deren Ergebnisse widersprechen deutlich den Werbeaussagen der Getränkehersteller.

Was wäre gesundheitlich das "rechte Maß", was ein Zuviel? Allgemeine Empfehlungen dazu verbieten sich aus medizinischer Sicht, denn jeder Mensch reagiert hierin individuell. Genetische Prädispositionen etwa oder die Suchtneigung sind allzu verschieden. Das gilt auch für Umweltfaktoren. So schwanken denn auch die Angaben nach epidemiologischen Studien, wie viel Alkohol gesundheitlich noch einigermaßen unbedenklich sein, um mehr als hundert Prozent. Gesicherte Daten über eine gesundheitsfördernde Wirkung liegen nur sehr wenige vor, und meistens berücksichtigen die entsprechenden Studien nur das Herz-Kreislauf-System. Tatsächlich scheint ein geringer bis mäßiger Alkoholkonsum das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko herabzusetzen. Dies gilt offenbar aber nur für Menschen über fünfzig und auch nur, solange andere Risikoerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder beispielsweise Stoffwechselstörungen nicht vorliegen.

Alle anderen Organe und Organsysteme dürfte Alkohol bereits bei mäßigem Trinken wahrscheinlich eher schädigen. Entgegen früheren Annahmen wächst etwa das Risiko für mehrere Krebsarten auf das Doppelte, wobei Rauchen ein Übriges tut. Auch Leberschäden werden häufig schon durch viel geringere Mengen Alkohol verursacht als früher angenommen. Alkohol erhöht den Blutdruck. Schwangere sollten gar keine Alkoholika trinken, weil schon wenig davon die körperliche und geistige Entwicklung des Fötus und des Kindes beeinträchtigen kann.

Gezielte, wirklich relevante und vergleichbare Forschungen, vor allem auch Langzeitstudien, über die Auswirkungen des regelmäßigen Trinkens kleinerer Mengen Alkohols fehlen weitgehend. Die vorhandenen Aufstellungen berücksichtigen zudem nur selten andere ebenfalls einflussreiche Faktoren der Lebensweise, sei es Ernährung, körperliche Aktivität oder Rauchen.

Die Statistiken führen oft nur an, um wie viel das Trinken die Lebenszeit verkürzt. Solche Zahlen beschönigen die wahren Verhältnisse im Grunde. Wie stark Alkohol die Gesellschaft und das Gesundheitssystem tatsächlich belastet, wird erst deutlich, wenn man Krankenzeiten und Behinderungen berücksichtigt. Auch die Schädigung des sozialen Umfeldes, ob Angehörige oder Unfallopfer, ist oft erheblich.

Wer die positiven gesundheitlichen Auswirkungen von moderatem Alkoholkonsum herausstellt, sollte ehrlicherweise die negativen dagegenhalten. Auf jeden Fall belegt die Forschung nicht, dass Alkohol die Gesundheit fördert, nicht einmal in kleinen Mengen. Bestenfalls mindert er ein paar Erkrankungsrisiken. Im Ganzen aber überwiegen die schädlichen Folgen.

Medizinisch und epidemiologisch gesicherte Empfehlungen, wie viel Alkohol jemand unbedenklich trinken kann, sind derzeit nicht möglich. Fest steht: Je weniger, umso besser. Täglich höchstens zehn Gramm Alkohol – ein halbes Glas Wein – für Frauen und nicht mehr als zwanzig Gramm für Männer halten Mediziner nach neueren Erkenntnissen für geboten, also halb so viel wie noch vor wenigen Jahren. Offenbar birgt der Konsum immer ein gesundheitliches Risiko: Das steigt zwar mit der Menge, ist aber schon bei einem täglichen Glas Wein oder Bier vorhanden.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 4 / 2001, Seite 58
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
4 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 4 / 2001

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