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Geistesblitze - Gedächtnis: Amnesie per Genschalter

Wissenschaftlern um Dirk Montag vom Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg ist es gelungen, bei Mäusen durch das Ausschalten eines speziellen Gens eine retrograde Amnesie herbeizuführen. Bei dieser Form der Gedächtnisstörung verlieren menschliche Patienten üblicherweise alle Erinnerungen, die vor einem bestimmten traumatischen Ereignis gebildet wurden.

Um diesen Prozess auch im Tiermodell näher untersuchen zu können, trainierten die Forscher ihre Tiere zunächst darauf, in einer Kiste die Seite zu wechseln, wenn ein Lampe aufleuchtete. Anschließend deaktivierten sie bei den Nagern ein Gen, das für das Protein Neuroplastin kodiert. Dieses ist für die Plastizität des Gehirns wichtig und wurde bereits mit Intelligenz, aber auch mit einem erhöhten Schizophrenierisiko in Verbindung gebracht.

Schalteten die Forscher das Gen aus, hatten die Mäuse das zuvor angeeignete Verhalten vergessen – und konnten es auch nicht erneut lernen. Montag und sein Team schließen daraus, dass die Inaktivierung des Neuroplastin-Gens das so genannte assoziative Lernen beeinträchtigt, das auch beim Menschen eine wichtige Rolle spielt. Dabei werden üblicherweise zwei Ereignisse miteinander verknüpft, etwa: stehen bleiben, wenn die Ampel rot ist. Andere Gedächtnisaufgaben, die beispielsweise mit Navigation oder räumlichem Erinnern zu tun hatten, konnten die Mäuse dagegen weiterhin bewältigen. (dz)

Biol. Psychiatry 10.1016/j.biopsych.2016.03.2107, 2016

7/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 7/2016

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