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Botanik: An der Nase herumgeführt



Florian Schiestl, Manfred Ayasse und Hannes F. Paulus von der Universität Wien haben einen neuen Mechanismus entdeckt, mit dem eine Orchidee Sandbienen zu noch nicht befruchteten Blüten ihres Blütenstandes umleitet. Sie analysierten den Duft der Spinnen-Ragwurz per Gaschromatograph und stellten dabei fest, dass die Blüten unmittelbar nach der Bestäubung durch die Bienenmännchen ihr Bukett signifikant veränderten: Sie rochen jetzt zusätzlich nach Farnesyl-hexanoat, einem Stoff, den auch Sandbienenweibchen nach erfolgreicher Befruchtung verströmen und der weitere Männchen von Begattungsversuchen abhält. Als Gegenprobe bepinselten die Forscher unbestäubte Blüten mit der Substanz – die wurden daraufhin prompt von den Männchen gemieden. Auf diese Weise erreicht die Pflanze, dass die recht seltenen Sandbienen ihre Aufgabe schnellstmöglich erfüllen: Das spart der Pflanze Zeit und Pollen – und damit wertvolle Ressourcen. Der neu hinzukommende Geruchsstoff ist dabei ein wirksamerer Wegweiser für die Bienenmännchen als ein allmähliches Ausduften der Blüten. Generell scheint diese bislang kaum untersuchte Strategie unter Orchideen weit verbreitet zu sein. Manche tropischen Vertreter ändern nach erfolgreicher Bestäubung beispielsweise rasch ihre Farbe. (Oecologia, Bd. 126, S. 531)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, Seite 27
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001

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