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Paläophysiologie: Angepasst an die Eiszeit

Gene von Mammuts enthüllen: Ihr Hämoglobin funktionierte noch bei tiefen Temperaturen gut und versorgte selbst kalte Füße.
MammutLaden...

Das Bild, das wir uns von ausgestorbenen Tieren machen, beruhte lange hauptsächlich auf Studien von Versteinerungen. An Knochen- und Zahnfossilien lesen Paläontologen vieles ab: nicht nur Größe und Statur einer Art, sondern auch etwa die Ausbildung der Muskulatur, die Bewegungsweise sowie die Fressgewohnheiten. In seltenen Fällen tauchen zudem mumifizierte oder eingefrorene Kadaver auf, die zusätzliche Erkenntnisse liefern. Solche Funde geben mit etwas Glück Einzelheiten preis wie die Felldicke eines Tiers, manchmal sogar dessen Farbe, die Ohrform oder die letzte Mahlzeit. Näheres über besondere physiologische Anpassungen war allerdings bisher kaum in Erfahrung zu bringen.

Doch langsam schließt sich diese Wissenslücke. Dank der Fortschritte der Biotechnologie lassen sich nun auch Gene längst verschwundener Geschöpfe herstellen, die zugehörigen Proteine produzieren und dann ihre Funktionen untersuchen. Das neue Forschungsgebiet, die Paläophysiologie, verspricht, Aufschluss über bisher unzugängliche Körperfunktionen einzelner Arten zu geben.

Ein Tier, das in extremen Umwelten zurechtkam, ist das Wollhaarmammut oder Wollmammut (Mammuthus primigenius) Eurasiens, das gegen Ende der letzten Vereisung ausstarb. Klonen wird man Mammuts sicherlich nicht so bald. Aber einzelne physische Prozesse lassen sich sehr wohl nachstellen und im Labor untersuchen ...

August 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft August 2013

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  • Quellen

Campbell, K. L. et al.: Substitutions in Woolly Mammoth Hemoglobin Confer Biochemical Properties Adaptive for Cold Tolerance. In: Nature Genetics 42, S. 536 – 540, 2010

Krause, J. et al.: Multiplex Amplification of the Mammoth Mitochondrial Genome and the Evolution of Elephantidae. In: Nature 439, S. 724 – 727, 2006

Lalueza-Fox, C. et al.: A Melanocortin 1 Receptor Allele Suggests Varying Pigmentation among Neanderthals. In: Science 318, S. 1453 – 1455, 2007

Nogushi, H. et al.: Structures of Haemoglobin from Woolly Mammoth in Liganded and Unliganded States. In: Acta Crystallographica Section D: Biological Crystallography 68, S. 1441 – 1449, 2012