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Spektroskopie: Antike Farbenspiele

Mit Röntgenstrahlen beleuchten Forscher die Oberflächen jahrtausendealter Elfenbeinschnitzereien. Eine spezielle Kamera analysiert dann die Reste längst verwitterter Farbschichten, was deren Rekonstruktion ermöglicht.
Spektroskopischer Nachweis von Gold (violette Flecken) auf einer weiblichen Figur, vmtl Göttin IsisLaden...

Sehr farbenfroh ist die Antike gewesen, das gängige Bild eines marmorweißen Altertums gilt seit einigen Jahren als überholt. Für das alte Ägypten existierte es ohnehin nie, da sich Farben in dessen trockenem Klima gut erhalten haben. Doch obwohl Historiker wussten, dass der Nilstaat griechische und vorderasiatische Kulturen beeinflusst hatte, taten sie sich lange schwer damit, den reichlichen Gebrauch von Farben als damals üblich zu erachten. Inzwischen werden nicht nur auf marmornen Skulpturen und Friesen Pigmente nachgewiesen, sondern auch auf kunstvollen Elfenbeinschnitzereien des 9. Jahrhunderts v. Chr. aus dem östlichen Mittelmeerraum und aus Mesopotamien.

Als die schönsten Elfenbeinschnitzereien dieser Zeit gelten mehr als 100 Figuren und Plaketten, die das Team des französischen Archäologen François Thureau-Dangin 1928 in den Ruinen eines Gebäudes der assyrischen Handelsstadt Hadatu, heute Arslan Tash im Norden Syriens, barg. Die meisten sind Reliefs von "Frauen am Fenster", geflügelte Sphingen, Löwen, szenische Darstellungen der Geburt des Horus und geometrische Ornamente. Experten halten die Stücke für das Dekor eines prunkvollen Holzbetts.

Thureau-Dangins Funde gelangten in die Sammlungen des Pariser Louvre und des syrischen Nationalmuseums in Aleppo – das Schicksal der letzteren Stücke ist in Folge des Bürgerkriegs ungewiss. Zudem gibt es mehrere Dutzend vergleichbare Schnitzereien, die über den internationalen Kunstmarkt und auf mitunter ungeklärten Wegen in verschiedene Museen gelangten. Farbfassungen und Vergoldungen einiger solcher Stücke erforscht nun eine Forschungskooperation des Louvre, des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe und des Laboratoire d’Archéologie Moléculaire et Structurale (LAMS) an der Université Paris 06; Leiterin ist Élisabeth Fontan, Kuratorin des Louvre in der Abteilung "Antiquités Orientales". ...

November 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft November 2014

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