Direkt zum Inhalt

Archäologie: Lebte Buddha früher als gedacht?

Wann und wo der später als Buddha bezeichnete Siddhartha Gautama geboren wurde, lässt sich heute mangels zeitgenössischer Quellen nicht mehr exakt rekonstruieren. Als möglicher Geburtsort gilt Lumbini im heutigen Nepal. Der indische Herrscher Ashoka ließ die Siedlung im 3. Jahrhundert v. Chr. zur buddhistischen Pilgerstätte umgestalten. Nun stießen Archäologen dort auf Reste alter Bauten, die darauf hinweisen, dass die Verehrung Buddhas – und damit sein Tod – früher anzusetzen sind als bisher angenommen.

Die Anordnung der ehemaligen Holz- und Backsteinhäuser legt nahe, dass es sich um Vorgänger jener Tempelanlage handelt, die Ashoka erbauen ließ. Forscher um Robin Coningham von der Durham University (England) haben die Gebäudereste nun ins sechste vorchristliche Jahrhundert datiert – mit Hilfe von Isotopenmessungen und des Verfahrens der optisch stimulierten Lumineszenz. Dieser Befund widerspricht der so genannten kurzen Chronologie, der viele Forscher zuneigen; sie geht davon aus, dass Siddharta im 4. Jahrhundert v. Chr. starb.

Sollten weitere Ausgrabungen das Ergebnis von Coningham und seinen Kollegen bestätigen, müssten die Wissenschaftler wohl der langen Chronologie den Vorzug geben, der zufolge Buddha vor 500 v. Chr. lebte. Erschwerend ist jedoch, dass Ashoka seine Bauten an allen Pilgerstätten errichten ließ, die mit dem frühen Buddhismus in Zusammenhang stehen. Grabungen, die in die Zeit vor seiner Bautätigkeit zurückreichen, sind daher nur eingeschränkt möglich.

Februar 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2014

Kennen Sie schon …

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 1/2017

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 1/2017: Götter, Gräber, Archäologen

Mythen: Algorithmen rekonstruieren die frühesten Sagen • Al-Andalus: Vorbilder für die Renaissance im muslimischen Spanien • Indus-Kode: Schon eine Schrift oder nur Symbolzeichen?

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2014

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2014: Archäologie im Labor

Gold und Bronze: Was die Statuen römischer Kaiser einst leuchten ließ • Magnet-Uhr: Das Erdmagnetfeld als Messinstrument für Datierungen • Met und mehr: Einblicke in die Getränkekarte der Nordmänner

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 3/2014

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 3/2014: Schrift und Sprache

Gandhara: Buddhas Lehren auf Blättern aus Birkenrinde • Keilschrift: Wissen war Macht in Mesopotamien • Europa: Ursprung des Indogermanischen

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quelle

Coningham, R. A. E. et al.: The earliest Buddhist shrine: excavating the birthplace of the Buddha, Lumbini (Nepal). In: Antiquity 87, S. 1104 – 1123, 2013