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Geistesblitze - Ökonomie: Armut verlangsamt das Denken

Wer über längere Zeit arm war, schneidet bei einigen geistigen Aufgaben schlechter ab als Menschen, die nie finanzielle Härten erfahren mussten. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Adina Zeki Al Hazzouri von der University of Miami nach einer Untersuchung von knapp 3400 US-Amerikanern, die seit den 1980er Jahren an einer Langzeitstudie über Herzkrankheiten teilnehmen.

Al Hazzouri verglich die Resultate kognitiver Tests aus dem Jahr 2010 mit Daten über die finanziellen Verhältnisse der Teilnehmer. Dabei stieß sie auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen anhaltender Armut und der Geschwindigkeit beim Lösen bestimmter Aufgaben. Zudem schnitten Menschen, die zwischenzeitlich Geldsorgen hatten, zum Beispiel schlechter in puncto Impulskontrolle und Arbeitsgedächtnis ab.

Gegenüber früheren Studien hat die neue Unter­suchung den Vorteil, dass nicht allein das Einkommen der Teilnehmer zum Untersuchungszeitpunkt in die Analyse einfloss, sondern deren wirtschaftliche Situation über drei Jahrzehnte hinweg. Entsprechend bilden die Ergebnisse auch den kumulativen Effekt von wiederholter Armut ab, so die Neurowissenschaftlerin. Zusätzlich fand Al Hazzouris Team den Effekt auch bei Menschen mit hoher Bildung und akademischem Hintergrund, weshalb die Forscher eine umgekehrte Kausalität – schlechtere Testergebnisse führen zu mehr Armut – für unwahrscheinlich halten.

1/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 1/2017

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  • Quellen
Am. J. Prev. Med. 10.1016/j.amepre.2016.08.009, 2016