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Geschichte: Arsen in Spitzenwerten



Eigentlich waren die Wissenschaftler vom Institut für Geographie der Russischen Akademie der Wissenschaften auf der Suche nach Umweltschadstoffen – doch dann bestätigten sie eine Legende: Im mittelalterlichen Kreml wurde mit Blei und Quecksilber nicht nur gemalt und geschminkt, sondern auch gemordet. Die Knochen und Haare der dort begrabenen Prinzessinnen und Zarizas enthielten ungewöhnlich große Mengen Schwermetall. Alexander Alexandrovskiy vermutet, dass die Frauen diesen toxischen Stoffen im Alltag häufig ausgesetzt waren: Kosmetika und Wandfarben enthielten große Mengen Quecksilber, Arsen oder Blei. Dasselbe galt für viele medizinische Salben – von Arsen z.B. versprach man sich Heilung von Mandelentzündung und Typhus. Doch nicht immer blieb es bei der unabsichtlichen schleichenden Selbstvergiftung. Die mit der Behörde für Forensische Medizin kooperierenden Forscher fanden in Knochen, Haarzopf und Leichentuch von Anastasia Romanova – der Gattin Iwans des Schrecklichen, die 1560 mit 25 Jahren starb – extreme Quecksilberwerte, die auch mit ausgiebigem Gebrauch der Salben nicht zu erklären sind. Desgleichen wurde Elena Glinskaya, zweite Frau von Wassilij III., 1538 Opfer des beliebtesten Giftes im Mittelalter: Eine Haarsträhne in ihrer Mütze enthielt reichlich Quecksilber.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, Seite 26
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001

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