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Materialforschung: Auch Plastik kann sich erinnern



Einen vielseitig verwendbaren Kunststoff mit Formgedächtnis haben jetzt Andreas Lendlein vom Deutschen Wollforschungs-institut der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und Robert Langer vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge entwickelt. Selbst nach Deformationen um mehrere hundert Prozent erinnert sich das Plastikmaterial an seine ursprüngliche Gestalt und nimmt sie beim Erwärmen innerhalb von Sekunden wieder an. Metalllegierungen mit Formgedächtnis – etwa die Nickel-Titan-Legierung Nitinol – sind schon länger bekannt; aus ihnen werden bereits Brillengestelle oder Zahnspangen hergestellt. Während diese eine Vorbehandlung bei Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius erfordern, kann das Kunststoffprodukt durch bloßes Bestrahlen der Ausgangsreaktionsmischung mit ultraviolettem Licht in jeder gewünschten Gestalt fixiert werden. Wenn es nach einer beliebigen Deformation – beispielsweise zu einer Spirale (Bild) – auf 70 °C erhitzt wird, nimmt es diese ursprüngliche Gestalt wieder an. Es ist sogar möglich, den Kunststoff für ein bestimmtes Anwendungsgebiet maßzuschneidern: Entscheidend sowohl für die Umwandlungstemperatur, bei der er zur ehemaligen Gestalt zurückkehrt, als auch für die mechanischen Eigenschaften ist das Mischungsverhältnis der Bestandteile Oligo(e-caprolacton)dimethacrylat und n-Butylacrylat. Weil der Werkstoff gewebeverträglich ist, kann er auch in der Medizin eingesetzt werden. Theoretisch eignet er sich sogar für Autokarosserien; nach einem Unfall muss man die Delle dann bloß noch föhnen... (Proceedings of the National Academy of Sciences USA, Bd. 98, S. 842)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, Seite 27
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001

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