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Stellare Dynamik: Auf der Suche nach den Geschwistern der Sonne

Heute ist die Sonne eine Einzelgängerin. Entstanden ist sie jedoch gemeinsam mit Tausenden anderer Sterne. Nach ihren stellaren Geschwistern fahnden Forscher nun in direkter kosmischer Nachbarschaft.
Geschwister der Sonne
So manchen ergreift unter dem dunklen Himmel einer sternklaren Nacht das Gefühl der Einsamkeit. Kein Wunder: Der Nachthimmel ist genau deshalb so dunkel, weil auch unser Sonnensystem recht abgelegen ist. Selbst unsere nächsten stellaren Nachbarn erscheinen gerade einmal als winzige Lichtpunkte, und unsere schnellsten Raumsonden wären Zehntausende von Jahren zu ihnen unterwegs. Wir leben also auf einer kleinen Insel in einem riesigen kosmischen Meer. Doch nicht jeder Stern ist so abgelegen. Etwa jeder zehnte gehört zu einem Sternhaufen, einem wenige Lichtjahre durchmessenden Schwarm aus Hunderten oder auch Zehntausenden von Sternen. Tatsächlich entstehen sogar die meisten Sterne in solchen Haufen. Gewöhnlich lösen sich diese Ansammlungen aber im Verlauf von Jahrmilliarden wieder auf, und ihre Mitglieder verteilen sich in der Milchstraße.

Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass auch die Sonne erst allmählich in ihre abgeschiedene Lage geriet. Während die Astronomen unser Zentralgestirn lange Zeit für ein "Einzelkind" hielten, gehen mittlerweile viele von ihnen davon aus, dass es vielleicht 1000 oder mehr Geschwister besitzt, die alle etwa zur selben Zeit geboren wurden. Anders gesagt: Als das Sonnensystem im Entstehen begriffen war, erschien der umgebende Weltraum möglicherweise bei Weitem nicht so leer. Hätten wir schon damals die Gelegenheit gehabt, ihn zu betrachten, wären unsere Augen vom Licht geblendet worden. Unser Blick wäre auf einen mit hellen Sternen übersäten Nachthimmel gefallen, von denen einige heller leuchteten als der heutige Vollmond. Manche von ihnen hätten wir sogar am Taghimmel entdecken können.

Doch der Sternhaufen, zu dem unsere Sonne vermutlich gehörte, existiert schon lange nicht mehr. Wie er ausgesehen haben könnte, darüber lassen sich allerdings eine ganze Reihe von Überlegungen anstellen…
März 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft März 2010

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