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Lernen: Aufrecht sitzen beflügelt das Denken

Die Eltern haben es ja immer schon gewusst: »Kind, setz dich gerade hin!« Tatsächlich könnte es sich lohnen, der Ermahnung Folge zu leisten. Das legt jetzt zumindest ein Versuch von Wissenschaftlern um Erik Peper von der San Francisco State University nahe. Demnach hilft die aufrechte Haltung vor allem Studierenden mit Prüfungsangst. Aber auch Sportler, Musiker und Vortragende können womöglich davon profitieren, wenn sie unter Stress stehen.

Die Forschergruppe hatte 125 Studenten zu einem einfachen Experiment eingeladen. Die Hälfte von ihnen sollte zunächst gerade sitzen, die andere schlaff im Stuhl hängen, während sie 30 Sekunden lang ausgehend von der Zahl 964 immer wieder 7 subtrahieren mussten. Dann tauschten die Probanden: Wer zuerst herumgelümmelt hatte, sollte nun eine aufrechte Position einnehmen, und umgekehrt, wobei sie erneut die Zahl 7 wiederholt abzogen, diesmal ab Startpunkt 834. Nach beiden Durchgängen gaben die Teilnehmer auf einer Skala von 0 bis 10 an, wie schwierig sie die Aufgabe fanden. Gekrümmt sitzende Studierende bewerteten die Rechnerei um ein gutes Fünftel schwerer als die aufrechten (im Durchschnitt 6,2 im Vergleich zu 4,9).

Der Unterschied ließ sich überwiegend auf jene Versuchspersonen zurückführen, die von Prüfungsangst berichteten: Bei ihnen wirkte sich der Haltungswechsel deutlich stärker aus. Die Wissenschaftler diskutieren eine ganze Reihe möglicher Erklärungen. »Wenn der Körper zusammensackt, arbeitet das Gehirn nicht so gut«, vermutet Peper. Sein Kollege Richard Harvey sieht im gekrümmten Rücken eine Abwehrhaltung, die negative Erinnerungen triggern könne. Die Psychologin und Koautorin Lauren Mason erklärt, eine aufrechte Position verkörpere Selbstvertrauen: »Die Körperhaltung beeinflusst nicht nur, wie andere uns sehen, sondern auch, wie wir uns selbst wahrnehmen.«

11/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2018

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  • Quelle
NeuroRegulation 10.15540/nr.5.2.67, 2018