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Innere Uhr: Aus dem Takt

Schichtarbeit ist in vielen Branchen Alltag, doch sie fordert gesundheitlichen Tribut. Der Chronobiologe Thomas Kantermann schildert, welche gravierenden Folgen drohen, wenn die innere Uhr dauerhaft verstellt wird.
Was haben Taxifahrer, Piloten, Krankenschwestern, Stahlarbeiter und Polizisten gemeinsam? Sie alle arbeiten im Schichtdienst – Arbeitszeiten außerhalb der üblichen Kernzeit von 9 bis 17 Uhr gehören für sie zum Alltag. Und diese Gruppe von Berufstätigen wächst stetig. Daraus ergibt sich ein zunehmendes Problem: Denn ungeachtet aller wirtschaftlichen und ­gesellschaftlichen Vorteile, welche die Schicht­arbeit zweifellos bietet, bedroht sie die Gesundheit der Betroffenen. So können Schichtarbeiter schlechter ein- und durchschlafen als der Normalbür­ger; sie leiden häufiger unter Verdauungsstörungen und Sodbrennen, und auch Magengeschwüre, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie selbst ein erhöhtes Krebsrisiko können Folge ihrer besonderen Belastungen sein.
Wenn wir die Nacht zum Tag machen, etwa weil wir beruflich dazu gezwungen sind, gerät ein wichtiger Mechanismus unseres Körpers aus dem Takt: die innere Uhr. In den letzten ­Jahren haben Wissenschaftler die Funktions­weise dieses biologischen Taktgebers immer weiter entschlüsselt und die körperlichen Auswirkungen von Schichtarbeit analysiert ...
April 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist April 2011

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Literaturtipps

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Roenneberg, T.: Wie wir ticken: Die Bedeutung der inneren Uhr für unser Leben. DuMont Buchverlag, Köln 2010
Der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg beschreibt die weit reichenden Auswirkungen unseres individuellen biologischen Rhythmus.


Quellen

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Kantermann, T. et al.: Shift-Work Research: Where Do We Stand, Where Should We Go? In: Sleep and Biological Rhythms 8, S. 65-105, 2010

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