Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Chronotypen: Ausgeschlafen?!

Morgenmuffel haben es doppelt schwer: Sie kommen in der Früh schlecht aus den Federn - und begegnen zudem vielen Vorurteilen. Doch immer genauer durchschauen Forscher die biologischen Mechanismen, die dem individuellen Schlaf-wach-Rhythmus zu Grunde liegen.
Uhren an der Wand

"Am Abend wird der Faule fleißig", sagt der Volksmund. Andreas kann ­darüber nur müde lächeln - zu oft hat er diesen Spruch schon gehört. Der 36-Jährige ist ein ausgesprochener Spätstarter.
Das Vorurteil ist altbekannt: Wer frühmorgens so schwer wie Andreas aus den Federn kommt, gilt schnell als träge - wer dagegen beim ersten Hahnenschrei quietschfidel aus dem Bett springt und sich den Herausforderungen des Tages stellt, dem wird Respekt gezollt. Das zitierte Sprichwort bedient zwar das Klischee vom morgenmuffeligen Faulpelz. Doch gesteht es den ­Betreffenden immerhin zu, dass sie vielleicht erst am Abend oder in der Nacht auf Touren kommen - wenn der "Fleißige" bereits wieder müde in die Kissen sinkt.
Man muss also genauer hinschauen: Manche Zeitgenossen stehen im Schnitt früh auf, gehen dafür aber auch zeitig schlafen; andere wiederum wachen durchschnittlich später auf und gehen oft erst zu nachtschlafender Stunde ins Bett. Je nachdem, wie sich die individuelle Schlaf- und Wachphase über den Tag verteilt, sprechen Forscher von verschiedenen "Chronotypen" (von griechisch chronos = Zeit). Sie sind an innere Taktgeber gebunden, die seit einigen ­Jahren intensiv erforscht werden. Angesichts der neuen Erkenntnisse fordern manche Experten, den individuellen Chronotyp des Menschen auch in Schule, Beruf und Alltag stärker zu berücksichtigen - etwa durch flexible Arbeitszeiten ...

Kennen Sie schon …

Spektrum Gesundheit – Therapie im Takt der inneren Uhr

Wieso ist es wichtig, Medikamente zu bestimmten Uhrzeiten zu nehmen? Und welche Ernährung ist Krebskranken empfohlen? Mehr lesen Sie ab sofort in »Spektrum Gesundheit«. (€)

Gehirn&Geist – Cannabis - Droge mit Heilwirkung?

»Gehirn&Geist« behandelt das Thema Cannabis - Droge mit Heilwirkung? Außerdem im Heft: Innere Uhr - Was unser Zeitempfinden verzerrt, Typenlehre - Tückisches Schubladendenken, Schizophrenie, Cringe - Warum wir uns fremdschämen.

Spektrum Kompakt – Chronobiologie - Unser innerer Rhythmus

Unsere innere Uhr spüren wir insbesondere dann, wenn wir versuchen, gegen ihren Rhythmus zu leben - sei es durch Schichtarbeit, Jetlag oder die halbjährliche Zeitumstellung. Noch dazu ist sie individuell und altersabhängig höchst verschieden. Wie greift ihr Räderwerk ineinander?

Schreiben Sie uns!

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Belle, M. C. D. et al.: Daily Electrical Silencing in the Mammalian Circadian Clock. In: Science 326, S. 281-284, 2009

Brown, S. A. et al.: Molecular Insights into Human Daily Behavior. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 105, S. 1602-1607, 2008

Giampietro, M., Cavallera, G. M.: Morning and Evening Types and Creative Thinking. In: Personality and Individual Differences 42, S. 453-463, 2007

Hsu, C.-Y. et al.: Associations between Chronotypes, Psychopathology, and Personality Among Incoming College Students. In: Chronobiology International 29, S. 491-501, 2012

Kennaway, D. J., Wright, H.: Melatonin and Circadian Rhythms. In: Current Topics in Medicinal Chemistry 2, S. 199 – 209, 2002

Pagani, L. et al.: Serum Factors in Older Individuals Change Cellular Clock Properties. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 108, S. 7218-7223, 2011

Roenneberg, T. et al.: A Marker for the End of Adolescence. In: Current Biology 14, S. R1038-R1039, 2004

Roenneberg, T. et al.: Epidemiology of the Human Circadian Clock. In: Sleep Medicine Reviews 11, 429-438, 2007

Wolfson, A. R. et al.: Middle School Start Times: The Importance of a Good Night's Sleep for Adoles­cents. In: Behavioral Sleep Science 5, S. 194-209, 2007