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Max-Planck-Forschungspreis: Ausgezeichnet: Von der Struktur zum Medikament



Der Chemiker Horst Kessler von der Technischen Universität München hat einen der mit 250000 Mark dotierten "Max-Planck-Forschungspreise für internationale Kooperation" 2001 erhalten. Dieser wurde gemeinsam von Max-Planck-Gesellschaft und Alexander von Humboldt-Stiftung an vier im Ausland und acht in Deutschland arbeitende Wissenschaftler aus sechs Disziplinen verliehen.

Das Preisgeld soll es den Ausgezeichneten ermöglichen, internationale Kooperationen aufzunehmen oder zu vertiefen, etwa in Form von Forschungsaufenthalten im Ausland. Damit hat Kessler reichlich Erfahrung; Gastprofessuren führten ihn in die USA, nach Kanada, Japan und Israel. Er erhält den Preis für seine he-rausragenden Beiträge zur Strukturaufklärung medizinisch bedeutsamer Makromoleküle mit Hilfe der NMR-Spektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance, kernmagnetische Resonanz). Mit dieser beschäftigt er sich bereits seit seiner Habilitation Ende der 1960er Jahre, wobei er das Repertoire der NMR-Spektroskopie um eine Fülle neuer Techniken erweitern konnte.

Magnetfelder, erzeugt von den derzeit stärksten supraleitenden Magneten, spalten die einzelnen Spinzustände der Atomkerne energetisch auf. Die "Umgebung" in Form der chemischen Struktur des Moleküls nimmt dabei subtilen Einfluss auf die aufgespaltenen Energieniveaus. Regt man diese Niveaus mit Radiostrahlung an, so unterscheiden sich die dafür nötigen Frequenzen auch bei gleichen Atomsorten je nach ihrer Lage im Molekül. Dabei können sich die Kernspins zusätzlich noch gegenseitig beeinflussen, vergleichbar einer angeschlagenen Klaviersaite, die weitere Saiten in Schwingung versetzt.

Man erhält auf diese Weise gewissermaßen die Signatur der Molekülstruktur, aus der sich mit Computerhilfe seine Zusammensetzung und räumliche Gestalt berechnen lässt. Das ist besonders wichtig, um die Wirkung biologischer Makromoleküle zu verstehen, vor allem im Hinblick auf medizinische Anwendungen. Horst Kessler widmet sich deshalb mit seiner Arbeitsgruppe intensiv dem Design und der Strukturaufklärung neuer Wirkstoffe. So ist es ihm unter anderem gelungen, eine wirkungsvolle Substanz gegen Krebs zu finden, die Metastasen von der Blutversorgung abschneidet und gewis-sermaßen "aushungert" (SdW 11/2000, S. 48). Sie wird bereits an einer kleinen Gruppe von Patienten mit fortgeschrittenem Krebs getestet.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 2002, Seite 103
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
3 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 3 / 2002

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