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Kambodscha: Ausverkauf der Geschichte

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André Malraux war der Prototyp des engagierten Literaten und Intellektuellen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Doch als der leidenschaftliche Kunstliebhaber und Abenteurer, Kritiker des Kolonialismus sowie später des Nationalsozialismus in den 1920er Jahren eine Forschungsreise in die französische Kolonie Indochina unternahm, gebärdete sich der Pariser Romancier nicht anders als ein Kunsträuber. Wie seine Frau in ihren Memoiren schilderte, plagten das junge Paar damals schlimme finanzielle Schwierigkeiten. Einen Ausweg sahen die beiden darin, in Angkor Wat Reliefs aus den Tempelwänden herauszusägen und an private Sammler zu verkaufen. Malraux hatte sich sogar ein Schreiben von den auf Ostasien spezialisierten Wissenschaftlern des Pariser Musée Guimet organisiert, das ihn als Kunstexperten empfahl.

Die Steinmetzkunst des Tempels Banteay Srei, der »Zitadelle der Frauen« unweit von Angkor, galt schon damals als Kleinod der Khmer-Hochkultur und versprach hohe Gewinne. In einer Nacht meißelte Malraux fast eine Tonne Skulpturen aus dem Heiligtum. Bevor er sie allerdings außer Landes schaffen konnte, wurde er verhaftet und ins Gefängnis von Phnom Penh geworfen. Das war 1924.

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