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Astronomie

Ein antikes Großforschungsprojekt

Mesopotamische Gelehrte beobachteten systematisch die Phänomene des Nachthimmels, hinterlegten über Jahrhunderte hinweg die Vor­gänge in Archiven und entwickelten sogar mathematische Algorithmen, um sie zu modellieren.
Babylonische Tontafel mit Berechnung des von Jupiter zurückgelegten Weges als Fläche einer Trapezfigur.

Astronomie ist heutzutage eine Wissenschaft der Superlative: Mit vielen Millionen Euro teuren Teles­kopen durchmustern Forscher den Kosmos in allen Spektralbereichen. Ihren Daten nach gibt es mehr als eine Billion Galaxien mit unzähligen Sonnen. Um noch die schwächsten Lichtspuren zu erfassen, beobachten sie den Himmel von Wüsten und Bergen aus, weit vom Streulicht der Städte und Industrielandschaften entfernt. Nur wenigen Astronomen ist bewusst, dass sie in einer Tradition stehen, die älter ist als die Erfindung der Schrift – und die bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. ein Großforschungs­projekt beinhaltete.

Unseren Vorfahren bot sich vor Jahrtausenden ein grandioser Nachthimmel: Ohne die heutige Lichtverschmutzung waren mehr als 5000 Sterne und eine funkelnde Milchstraße mit bloßem Auge sichtbar. Allenfalls Wolken oder Dunst trübten den Blick, und während der Dämmerungsphasen überstrahlte die unter dem Horizont stehende Sonne lichtschwächere Gestirne. Dabei voll­zogen Sonne, Mond, Planeten und Sterne einen wunderbaren Reigen: Sie gingen im Osten auf und im Westen wieder unter, wobei der genaue Verlauf ihrer Bahnen im Lauf des Jahrs variierte.

Mesopotamische Gelehrte versuchten als Erste, Zusammenhänge zwischen den Gestirnen und Ereignissen auf der Erde durch systematische Beobachtung über Genera­tionen hinweg zu erkennen. Indem sie Regeln formulierten, ihre Daten mit anderen Experten diskutierten und in Archiven überlieferten, legten sie die Grundlagen jed­weder Wissenschaft …

Februar 2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2018

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  • Quellen

Hunger, H., Sachs, A. (Hg.): Astronomical Diaries and Related Texts from Babylonia I: Diaries from 652 B.C. to 262 B.C. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988

Hunger, H., Sachs, A. (Hg.): Astronomical Diaries and Related Texts from Babylonia II: Diaries from 261 B.C. to 165 B.C. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1989

Hunger, H., Sachs, A. (Hg.): Astronomical Diaries and Related Texts from Babylonia III: Diaries from 164 B.C. to 61 B.C. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996

Ossendrijver, M.: Ancient Babylonian Astronomers Calculated Jupiter’s Position from the Area under a Time-Velocity Graph. In: Science 351, S. 482-484, 2016