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Editorial: Balsam für die Nerven

Christiane GelitzLaden...

Von Gefühlen übermannt zu werden, kann ziemlich unangenehm sein: für einen selbst, wenn Ängste das Leben einschränken oder wenn eine Kränkung an einem nagt. Und für die Mitmenschen, wenn man seinem Ärger allzu oft Luft macht. Beneidenswert, wer es schafft, sich nichts anmerken zu lassen! Der Psychologe Sven Barnow hält das auf Dauer allerdings für keine gute Lösung – im Gegenteil. Unterdrückte Gefühle spielen bei Ängsten und Depressionen häufig eine große Rolle, erklärt der Heidelberger Professor im Interview ab S. 46.

In unserer Titelgeschichte über das Auf und Ab der Emotionen schildert GuG-Redakteur ­Steve Ayan außerdem, welche Strategien in den verschiedenen Phasen der Gefühlsregulation greifen (S. 34). Für sich persönlich scheint er die richtige Methode gefunden zu haben – etwaigen Alltagsfrust joggt er sich regelmäßig von der ­Seele. Viele von uns beruhigen ihre Nerven auf weniger gesunde Weise: mit Alkohol, Zigaretten oder Schokolade. Verspätet sich zum Beispiel ein dringend benötigtes Manuskript, klaue ich einem Kollegen schon mal ein paar Kekse vom Schreibtisch. Peinlich? Ja, aber dieses Gefühl lässt sich gut mit einer Tasse Kakao bewältigen …

Einer anderen Form der Emotionsregulation widmen wir uns ab S. 28: den "parasozialen Beziehungen" zu unseren Lieblingscharakteren im Fernsehen. Allein der Gedanke an einen Streit weckt schon das Bedürfnis, sich mit medialen ­Ersatzfreunden zu trösten, wie Psychologen herausfanden. Aber befriedigen solche Pseudokontakte tatsächlich unser Bedürfnis nach Bindung?

Eines Tages stehen uns womöglich ausgeklügelte Neurotechniken zur Verfügung, mit denen sich unliebsame Erinnerungen so leicht löschen lassen wie eine E-Mail. Doch noch ist das Zukunftsmusik, wie Sie im zweiten Teil unserer ­Serie "Methoden der Hirnmanipulation" ab S. 54 lesen können. Und so bleibt Schokolade vorerst wohl die einfachere Lösung.

Eine gute Lektüre und einen ausgeglichenen Gefühlshaushalt wünscht Ihre
Christiane Gelitz

7/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 7/2015

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