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Essay: Begabte Sonderlinge

In manchen Berufen sind milde Formen von Autismus durchaus von Vorteil, glaubt der kanadische Neurowissenschaftler Laurent Mottron. In seinem Forschungsteam arbeiten gleich mehrere vom Asperger-Syndrom Betroffene.
Eine neue Sicht auf Autismus

"Autismus ist eine verheerende Störung", so oder ähnlich beginnen die meisten Forschungsanträge und Medienberichte zum Thema. Meine Autisten sind anders. "Meine" Autisten, das sind vier Forschungsassistenten, drei Studenten und ein Postdoc, die in unserem Labor die neuronalen Ursache des Autismus ergründen. Diese acht Betroffenen in meinem Team haben nicht die Aufgabe, persönliche Eindrücke zum Besten zu geben oder stupide irgendwelche Daten in eine Software einzugeben. Mit ihren intellektuellen und charakterlichen Eigenarten bereichern sie unsere Arbeit – und zwar nicht trotz, sondern wegen ihres Autismus.
Jeder kennt die spektakulären Berichte über Inselbegabte. So genannte Savants können sich etwa bei einem Rundflug im Helikopter ganze Landschaften detailgenau einprägen oder Bücher auswendig lernen. Keiner meiner Mitarbeiter ist ein Savant. Es sind "ganz gewöhnliche" Autisten, die dennoch so manchen Nichtautisten bei einer Reihe von Aufgaben überlegen sind ...

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Spektrum Dossier – Die Macht der Gene

Was vererbt wurde, kann ein ganzes Leben beeinflussen. Trotzdem hängt unser Schicksal nicht nur von Genen ab. »Spektrum Dossier: Die Macht der Gene« zeigt, was unsere Gesichtszüge beeinflusst, welche genetische Vielfalt Autismus zugrunde liegt und dass Musikalität mehr als nur Veranlagung ist.

Spektrum Kompakt – Neurodiversität

Neurodiversität ist keine Krankheit, sondern beschreibt eine Vielfalt im Denken. Ebenso vielfältig zeigt sie sich: von ADHS, über Autismus und Hypersensibilität bis hin zur Misophonie. Unsere auf neurotypische Menschen ausgelegte Welt stellt Betroffene jedoch oft vor Schwierigkeiten.

Gehirn&Geist – Neurodiversität: Eine neue Sicht auf die Vielfalt unseres Denkens

Mit dem Begriff Neurodiversität beschreibt die Wissenschaft die natürliche Vielfalt unseres Denkens – und eröffnet neue Perspektiven auf Autismus, ADHS & Co. Aber warum ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Diagnosen so deutlich gestiegen? Unsere Titelgeschichten gehen dieser Frage nach und beleuchten medizinische Ursachen ebenso wie gesellschaftliche Einflüsse und geschlechterspezifische Unterschiede. Erfahren Sie zudem im Interview mit Molekularbiologe Prof. Thomas Bourgeron, welche Rolle genetische Faktoren bei der Ausprägung und Diagnostik neurodiverser Eigenschaften spielen. Auch soziale Ungleichheit steht im Fokus dieser Ausgabe, denn neue Studien zeigen, wie sie politische Einstellungen beeinflusst und was Menschen dazu bringt, autoritäre Persönlichkeiten zu wählen. Daneben erklärt Maren Urner im Interview, was die ständige digitale Reizflut mit unserem Gehirn macht – und weshalb Langeweile gut für die mentale Gesundheit ist. Zudem berichten wir, warum Antidepressiva oft nicht wirken und welcher Weg zu einer maßgeschneiderten Therapie führen kann.

  • Quellen

Dawson, M. et al.:The Level and Nature of Autistic Intelligence. In: Psychological Science 18, S. 657-662, 2007

Hughes, V.:Complex Disorder. In: Nature 491, S. 2-3, 2012

Markram, K., Markram, H.:The Intense World Theory. A Unifying Theory of Neurobiology of Autism. In: Frontiers in Human Neuroscience 4, 224, 2010

Mottron, L. et al.:Enhanced Perception in Savant Syndrome: Patterns, Structure and Creativity. In: Philosophical Transactions od the Royal Society London B Biological Sciences 364, S. 1385-1391, 2009

Perreault, A. et al.:Increased Sensitivity to Mirror Symmetry in Autism. In: PLoS One 6, e19519, 2011

Rutter, M.:Incidence of Autisms Spectrum Disorders. In: Acta Paediatrica 94, S. 2-15, 2005

Kim, Y. S. et al.:Prevalence of Autism Spectrum Disorders in an Total Population Sample. In: American Journal of Psychiatry 168, S. 904-912, 2011

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