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Essay: Begabte Sonderlinge

In manchen Berufen sind milde Formen von Autismus durchaus von Vorteil, glaubt der kanadische Neurowissenschaftler Laurent Mottron. In seinem Forschungsteam arbeiten gleich mehrere vom Asperger-Syndrom Betroffene.
Eine neue Sicht auf Autismus

"Autismus ist eine verheerende Störung", so oder ähnlich beginnen die meisten Forschungsanträge und Medienberichte zum Thema. Meine Autisten sind anders. "Meine" Autisten, das sind vier Forschungsassistenten, drei Studenten und ein Postdoc, die in unserem Labor die neuronalen Ursache des Autismus ergründen. Diese acht Betroffenen in meinem Team haben nicht die Aufgabe, persönliche Eindrücke zum Besten zu geben oder stupide irgendwelche Daten in eine Software einzugeben. Mit ihren intellektuellen und charakterlichen Eigenarten bereichern sie unsere Arbeit – und zwar nicht trotz, sondern wegen ihres Autismus.
Jeder kennt die spektakulären Berichte über Inselbegabte. So genannte Savants können sich etwa bei einem Rundflug im Helikopter ganze Landschaften detailgenau einprägen oder Bücher auswendig lernen. Keiner meiner Mitarbeiter ist ein Savant. Es sind "ganz gewöhnliche" Autisten, die dennoch so manchen Nichtautisten bei einer Reihe von Aufgaben überlegen sind ...

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  • Quellen

Dawson, M. et al.: The Level and Nature of Autistic Intelligence. In: Psychological Science 18, S. 657-662, 2007

Hughes, V.: Complex Disorder. In: Nature 491, S. 2-3, 2012

Markram, K., Markram, H.: The Intense World Theory. A Unifying Theory of Neurobiology of Autism. In: Frontiers in Human Neuroscience 4, 224, 2010

Mottron, L. et al.: Enhanced Perception in Savant Syndrome: Patterns, Structure and Creativity. In: Philosophical Transactions od the Royal Society London B Biological Sciences 364, S. 1385-1391, 2009

Perreault, A. et al.: Increased Sensitivity to Mirror Symmetry in Autism. In: PLoS One 6, e19519, 2011

Rutter, M.: Incidence of Autisms Spectrum Disorders. In: Acta Paediatrica 94, S. 2-15, 2005

Kim, Y. S. et al.: Prevalence of Autism Spectrum Disorders in an Total Population Sample. In: American Journal of Psychiatry 168, S. 904-912, 2011