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Verhaltensforschung: Bei Bonobos mischt Mutti mit

So manche Mutter liegt ihrem Sohn mit dem Wunsch nach Enkelkindern in den Ohren. Bonobo-Mütter gehen einen Schritt weiter und nehmen die Sache selbst in die Hand: Sie bringen ihre Söhne in die Nähe fruchtbarer Weibchen, halten Störenfriede von etwaigen Schäferstündchen fern und unterstützen bei Konkurrenzkämpfen. Mit all dem fördern die Bonobo-Mütter die Weitergabe des eigenen Erbguts, hat ein Team um Martin Surbeck vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig jetzt herausgefunden.

Aufschlussreich war für die Forscher der Vergleich von Bonobo- und Schimpansen-Söhnen. Beide bleiben gern bis ins Erwachsenenalter bei ihrer Mutter, jedoch mit einem wesentlichen Unterschied: Bei Bonobos kann die Mutter ein dominantes Oberhaupt der Gruppe sein, während bei Schimpansen stets männliche Tiere den Ton angeben. Bonobo-Mütter nutzen einen hohen Rang offenbar, um ihren Söhnen Zugang zu besonders beliebten, »weibchenreichen« Plätzen zu verschaffen. Dort greifen sie auch in die Paarungsversuche anderer Männchen ein. Ob das Verhalten der Bonobo-Mütter wirklich zu mehr Nachkommen führt, war bislang jedoch unklar.

Das Team um Surbeck analysierte dies nun anhand von vier Bonobo- und sieben Schimpansen-Sippen. Als Nachwuchs kam, wurde zurückgerechnet, wann der jeweilige Vater ihn gezeugt hatte – und ob dessen Mutter in der Affengruppe lebte. Tatsächlich waren die »Muttersöhnchen« unter den Bonobos häufiger Papa geworden. Bei Schimpansen war das hingegen nicht der Fall.

8/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 8/2019

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  • Quelle
Current Biology 10.1016/j.cub.2019.03.040, 2019