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Angst: Beruhigende Gesellschaft

In einer beängstigenden Situation nimmt die Anspannung meist ab, sobald ein anderer sich zu uns gesellt und wir nicht mehr allein sind. Bei sozialen Tieren konnten Forscher bereits nachweisen, dass die physiologische Stressreaktion nachlässt, sobald Artgenossen anwesend sind. Doch trifft das ebenso auf uns Menschen zu? Ein Forscherteam um Grit Hein von der Universität Würzburg hat diese Annahme jetzt erstmals bestätigt.

An der Studie nahmen nur Frauen teil. Diese hörten über Kopfhörer entweder neutrale Geräusche (wie das Plätschern von Wasser) oder aber menschliche Schreie. Die Forscher maßen währenddessen die elektrische Hautleitfähigkeit der Probandinnen. Diese ist ein Indikator für psychische Erregung und Stress – denn hierbei sondert die Haut Schweiß ab, was wiederum ihre Leitfähigkeit erhöht.

Es zeigte sich, dass die Reaktion auf die akustischen Angstreize schwächer ausfiel, wenn eine andere weibliche Person mit im Raum war – selbst wenn diese in keiner Weise mit den Probandinnen interagierte. Die beruhigende Wirkung zeigte sich besonders stark bei jenen Teilnehmerinnen, die am stärksten zu Angst neigten. Der Effekt war darüber hinaus ausgeprägter, wenn die Frauen die anwesende Person als ihnen weniger ähnlich empfanden – vermutlich weil sie dann davon ausgingen, dass sich die andere im Gegensatz zu ihnen selbst nicht fürchtete.

Nun wollen die Forscher herausfinden, ob sich die Effekte auch unter Männern und in gemischten Gruppen finden lassen. »Es gibt Hinweise aus der Stressforschung, dass das Geschlecht der anwesenden Person eine Rolle spielen könnte«, so Grit Hein.

4/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2020

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  • Quelle
Proceedings of the Royal Society B. 10.1098/rspb.2019.2241, 2020