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Forschungsbetrieb: 9 Ideen für eine bessere Neurowissenschaft

Hirnforscher stehen in der Kritik - doch sie können viele Probleme ihres Fachs aus eigener Kraft beheben. Ein Plädoyer für überfällige Reformen.
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Noch vor wenigen Jahren waren sich Fachwelt, Öffentlichkeit und Medien weit gehend einig: Die Neurowissenschaften sind auf Erfolgskurs. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis die neue Hightech-Hirnforschung die Rätsel des Menschseins auf naturwissenschaftlicher Basis lösen könnte. Besonders der Boom der bildgebenden Verfahren beflügelte die Sicht­weise, dass auch psychische Störungen, kriminelles Verhalten, ökonomische Entscheidun­gen oder spirituelle Erfahrungen in absehbarer Zeit als biologische Phänomene erklärt werden würden. Heute ist der Optimismus verflogen, und die Neuroforschung steht in der Kritik.

In Büchern, Medienberichten und bei vielen wissenschaftlichen Konferenzen artikuliert sich ein breit abgestützter Skeptizismus gegenüber häufig ungerechtfertigten Erklärungsansprüchen, schlechter Forschung, dem "Überverkaufen" von experimentellen Daten, reduktionistischer Banalisierung komplexer Phänomene, un­haltbaren Zukunftsversprechen und fehlen­der Praxisrelevanz. Doch wie zu erwarten wurden die Verfechter einer "kritischen Neurowissenschaft" bald ihrerseits kritisiert: Ihre Vorwürfe seien zu pauschal und überzogen, gründeten nicht auf dem nötigen Fachwissen und würden letztlich den wissenschaftlichen Fortschritt be­hindern.

Die Zeit ist reif, um die neurowissenschaftliche Praxis wirkungsvoll zu verbessern. Auf der Konferenz "Mind the Brain! Neuro­science in Society", die Ende November 2014 in Berlin stattfand, erarbeiteten Neurowissenschaftler, Psychologen, Wissenschaftshistoriker, Sozialforscher, Mediziner, Philosophen, Anthropologen und Journalisten dafür gemeinsam eine Reihe von konkreten Vorschlägen.

1. Strengere Qualitätskriterien für die Forschung

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2/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2015

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  • Literaturtipp und Quellen

Literaturtipp

Antes, G. (Hg.): Wo ist der Beweis? Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin. Huber, Bern 2013
Umfassender Überblick zu Defiziten in der biomedizinischen Forschung


Quellen

Button, K. S. et al.: Power Failure: Why Small Sample Size Undermines the ­Reliability of Neuroscience. In: Nature Reviews Neuro­science 14, S. 365–376, 2013

Choudhury, S., Slaby, J. (Hg.): Critical Neuroscience: A Handbook of the Social and Cultural Contexts of Neuro­science. Blackwell, London 2012

Ioannidis, J. P. A.: Why Most Published Research Findings Are False. In: PLoS Medicine 2, e124, 2005