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Wahrnehmung: Bilder im Kopf

Neurowissenschaftler rätseln schon lange darüber, wie genau das Gehirn Gesichter erkennt. Einem Team um Steven Le Chang vom California Institute of Technology ist es nun gelungen, diese Frage zumindest im Fall von Makaken zu beantworten. Die Wissenschaftler entdeckten, dass jede Nervenzelle, die im Gehirn der Tiere empfindlich für Gesichter ist, nur auf einen ganz bestimmten Aspekt – etwa Augenabstand oder Hautfarbe – reagiert. 50 dieser Dimensionen reichen aus, um jedes erdenkliche menschliche Antlitz zu erfassen.

Auf Basis dieser Erkenntnis entwickelten die Forscher einen Algorithmus, der es ihnen erlaubte, Gesichter allein aus der neuronalen Aktivität von Zellen im Kortex zu rekonstruieren. Dazu zeigten sie mehreren Versuchstieren Fotos von Menschen, während sie mittels Elektroden elektrische Signale von 205 einzelnen Gesichtsneuronen maßen. Die Bilder, die sie mit Hilfe dieser Daten berechneten, sahen den Originalen verblüffend ähnlich

Diese Studie zeigt, dass Gesichter im Gehirn offenbar simpler kodiert werden als bislang angenommen. Le Chang und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Gesichtserkennung künstlicher Intelligenz durch ähnliche Algorithmen verbessert werden könnte.

9/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2017

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  • Quelle
Cell 169, S. 1013–1028, 2017