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Blatt für Blatt. Meisterwerke der Natur.

Augustus, Augsburg 1999. 124 Seiten, DM 58,–.


Blätter sind flächenhafte Pflanzenorgane, in denen die Photosynthese abläuft und die dann von anderen gefressen werden. Johann Wolfgang von Goethe gelang in seinem "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären" von 1790 eine wesentlich poetischere Beschreibung: "Es mag nun die Pflanze sprossen, blühen oder Früchte bringen, so sind es doch immer dieselbigen Organe welche in vielfältigen Bestimmungen und unter oft veränderten Gestalten die Vorschrift der Natur erfüllen. Dasselbe Organ welches am Stengel als Blatt sich ausdehnt und eine höchst mannigfaltige Gestalt hat, zieht sich nun im Kelche zusammen, dehnt sich im Blumenblatte wieder aus, zieht sich in den Geschlechtswerkzeugen zusammen, um sich als Frucht zum letztenmal aus zu dehnen."

Der Bildband mit den Photos von Rainer Kiedrowski, einem erfolgreichen Natur- und Landschaftsphotographen, illustriert Goethes Zusammenfassung in nahezu perfekter Weise. In mehr als 120 Farbbildern, zum Teil als Doppelseiten, werden alle Typen von Blättern unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Funktion vorgestellt: als Laubblätter, Blattranken, Blütenblätter, Keimblätter, als Wasserspeicher, Schwimmfloß und Fallensteller.

Jedes der insgesamt 10 Kapitel beginnt mit einem kurzen Text von Ingeborg Villwock. Ausführliche Bildlegenden erwähnen neben biologischen Fakten auch die Verwendung der Blätter als Heilkräuter, Gewürze, Gemüse, als Faserpflanzen und Symbole. Leider werden eine ganze Reihe sehr schöner Abbildungen durch den Mittelfalz zerschnitten, obwohl der Text dort besser hingepaßt hätte.

Goethe wurde zu seinen botanischen Studien vor allem auf der Italienreise angeregt: "Es ist erfreuend und belehrend, unter einer Vegetation umherzugehen, die uns fremd ist. Bei gewohnten Pflanzen denken wir zuletzt gar nichts, und was ist Beschauen ohne Denken?" Auch das Buch folgt diesem Gedanken und bringt etwa doppelt soviele Exoten wie Einheimische. Die vielen prächtigen Bilder dienen zwar eher dem Beschauen der dekorativen Gestalten und der ornamentalen Oberflächen, aber das Buch muß einem das Denken ja nicht abnehmen.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2000, Seite 103
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2000

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2000

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