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Vorurteile: Blond sein zwischen Witz und Wirklichkeit

Blondinenwitze kennt jeder. Doch woher stammt das Klischee vom dummen Blondchen eigentlich? Der Sozialpsychologe Nicolas Guéguen erklärt, warum blonde Frauen als Tramperinnen erfolgreicher sind als an der Börse und wie die Medien unser Bild von Blondinen prägen.
Blond und blöd?Laden...

"Treffen sich eine Blondine und eine Brünette in einer Bar. Sagt die Blondine ..." Egal, wie es weitergeht – am Ende wird die Blondine als einfältiges Dummchen dastehen, das nicht bis drei zählen kann oder aberwitzige Naivität unter Beweis stellt. Aber warum sind ausgerechnet blonde Frauen das bevorzugte Opfer solcher Scherze? Wie jeder weiß, entspricht das Klischee der dummen Blondinen genauso wenig der Realität wie das der dummen Ostfriesen. Aus welchem Grund also sind sie zur Zielscheibe von Spott und Hohn geworden? Erst seit wenigen Jahren ergründen Wissenschaftler die Hintergründe des Stereotyps – und entdecken dessen erstaunliche Folgen im Alltag.
David Johnston von der Queensland Uni­versity of Technology in Brisbane (Australien) untersuchte 2010, ob Blondinen besser oder schlechter verdienen als andere Frauen. Der ­Forscher konnte nachweisen, dass die Gehälter von blonden Frauen nach mehreren Jahren ­Berufserfahrung höher waren als die von anderen Frauen auf gleichem Niveau. Die blonde Haarfarbe käme etwa dem Mehrwert eines zusätz­lichen Ausbildungsjahres gleich, so der Forscher. Natürlich zeigen derlei Studien nur Kor­relatio­nen auf, die konkrete Ursache des Sachverhalts bleibt offen. Zum Beispiel beob­achtete Johnston außerdem, dass auch die Ehemänner von Blondinen mehr verdienten. Vielleicht bewegen sich Blondinen also vermehrt in einem beruflichen Umfeld, das ihnen Anspruch auf ein gehobenes Einkommen verschafft? Könnten die Witze am Ende aus dem Neid ­an­derer Frauen auf die blonden Besserver­dienerinnen entstanden sein? Das ist wenig wahrscheinlich, denn die Bevorzugung am ­Arbeitsplatz hat enge Grenzen. So hängen die Einstellungsquoten offenbar deutlich vom betrachteten Sektor ab ...

April 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist April 2012

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  • Quellen

Bry, C. et al.: Blonde Like Me: When Self-Construals Moderate Stereotype Priming Effects on Intellectual Performance. In: Journal of Experimental Social Psychology 44, S. 751-757, 2008

Guéguen, N., Lamy L.: Hitchhiking Women's Hair Color. In: Perceptual and Motor Skills 109, S. 941-948, 2009

Hinsz, V. B. et al.: Does Women's Hair Signal Reproductive Potential? In: Journal of Experimental Social Psychology 37, S. 166-172, 2001

Johnston, D. W.: Physical Appearance and Wages: Do Blondes Have More Fun? In: Economics Letters 108, S. 10-12, 2010

Rich, M. K., Cash, T. F.: The American Image of Beauty: Media Representations of Hair Color for Four Decades. In: Sex Roles 29, S. 113-124, 1993

Swami, V. et al.: The Influence of Skin Tone, Hair Length and Hair Colour on Ratings of Women's Physical Attractiveness, Health, and Fertility. In: Scandinavian Journal of Psychology 49, S. 429-437, 2008

Takeda, M. B. et al.: Hair Color Stereotyping and CEO Selection in the United Kingdom. In: Journal of Human Behavior in the Social Environment 13, S. 85-99, 2006