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Genesung: Von wegen lebenslänglich

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung galt lange als ­chronisch und kaum behandelbar. Zahlreiche neurowissenschaftliche Befunde sprechen inzwischen gegen diese Annahme. Sie offenbaren bei den Betroffenen Besonderheiten in der Informationsverarbeitung des Gehirns, die sich verändern lassen.
Verzweifeltes junges Mädchen

Wer krank ist und eine Diagnose erhält, erlebt das oft als sehr ­belastend. Das liegt zum einen an den Symptomen selbst, zum anderen aber auch daran, welche Vorurteile in der Gesellschaft bezüglich einer Erkrankung verbreitet sind und welche Stigmatisierung Betroffene erleben. Gerade bei psychischen Störungen hält sich beispielsweise die Annahme hartnäckig, man sei selbst verantwortlich für die Erkrankung.

Viele Vorurteile gibt es gegenüber so genannten Persönlichkeitsstörungen. Darunter versteht man anhalten­de Veränderungen im Denken, Erleben und Verhalten, die überwiegend im frühen Jugendalter beginnen. Die erheblichen Schwierigkeiten, die die Betroffenen in ­ihrem Alltag und im Umgang mit anderen Menschen haben, werden in der Gesellschaft oft weniger als tatsächliche Erkrankung, sondern mehr als Charakterschwäche wahrgenommen.

Etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung leben mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie haben mit starken Stimmungsschwankungen, mit intensiven Emotionen wie Wut, aber auch mit dem quälenden Gefühl innerer Leere zu kämpfen. Häufig fällt es ihnen schwer, ihre Impulse zu kontrollieren, was sich etwa in Essattacken oder Drogenkonsum äußern kann. Sie verletzten sich oft selbst oder unternehmen sogar Suizidversuche. Darüber hinaus reagieren sie sehr sensibel und heftig auf kleinste Anzeichen von Zurückweisung und haben große Angst davor, vom Partner oder anderen wichtigen Personen verlassen zu werden. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen können sehr intensiv und gleichzeitig sehr instabil sein. Sie sind von Kon­flikten geprägt. Ähnlich wechselhaft ist die Wahrnehmung der Betroffenen von sich selbst.

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  • Quellen

Gunderson, J. G. et al.: Borderline personality disorder. Nature Reviews Disease Primers 4, 2018

Gunderson, J. G. et al.: Ten-year course of borderline personality disorder: Psychopathology and function from the Collaborative Longitudinal Personality Disorders study. Archives of General Psychiatry 68, 2011

Kleindienst, N. et al.: Evaluation of the own body in women with current and remitted borderline personality disorder: Evidence for long-lasting effects of childhood sexual abuse. European Journal of Psychotraumatology 11, 2020

Zeitler, M. L. et al.: How to assess recovery in borderline personality disorder: Psychosocial functioning and satisfaction with life in a sample of former DBT study patients. Journal of Personality Disorders 34, 2020