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Geistesblitze - Vorurteile: Bremse im Kopf

Wollen wir dem gegnerischen Fußballverein oder einem unliebsamen Kollegen einen positiven Begriff zuordnen, brauchen wir stets ein kleines bisschen länger als bei unserer Lieblingsmannschaft oder einem guten Freund. Laut Forschern um Daria Knoch von der Universität Bern hängt das offenbar damit zusammen, dass unser Gehirn in solchen Fällen für die gleichen Denkprozesse mehr Zeit benötigt.

Das Team führte mit 83 Probanden einen so genannten impliziten Assoziationstest durch: Die Teilnehmer mussten am Computer per Klick ausschließlich positive Begriffe entweder ihrer favorisierten Gruppe oder einer Fremdgruppe zuordnen – jeweils einer Partei oder einem Fußballverein. Dabei erfassten die Forscher einerseits die Reaktionszeit, andererseits mittels Elektroenzephalografie (EEG) die Hirnaktivität der Probanden.

Das Ergebnis: Das Gehirn durchlief von der Einblendung auf dem Bildschirm bis zum Klick in weniger als einer Sekunde sieben mentale Prozesse. Anzahl und Reihenfolge blieben dabei gleich, unabhängig davon, ob der Proband seine eigene Partei oder die politischen Gegner positiv bewerten sollte. Aber einige Prozesse brauchten mehr Zeit, wenn die Zuordnung den Vorurteilen zuwiderlief. Das galt vor allem für die Wahrnehmungsverarbeitung zu Beginn der Entscheidung sowie für die motorischen Prozesse, die nötig waren, um die Klickbewegung des Fingers einzuleiten. Die Wissenschaftler widerlegten damit eine gängige Hypothese, der zufolge das Gehirn in solchen Fällen zusätzliche Denkprozesse einschieben muss. (ph)

Proc. Natl. Acad. Sci. USA 10.1073/pnas.1515828113, 2016

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