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Brief an die Leser


Liebe Leser,

zum Pläsier eines Königs war sie gedacht, exotisch die Architektur der Gebäude, fremd auch das Flair der Pflanzenwelt, die zum Schutz vor dem mitteleuropäischen Klima in eigenen Glashäusern untergebracht werden mußte. Was König Wilhelm der Erste von Württemberg im Laufe seines Lebens (1781 bis 1864) im Park von Schloß Rosenstein verwirklichen ließ und von ihm den Namen Wilhelma erhielt, ist heute der einzige zoologisch-botanische Garten Deutschlands. Wohl wissend um die Kritik an seinem teuren Vergnügen trachtete er danach, die Pracht so gut es ging vor der Öffentlichkeit zu verbergen; ohne seine ausdrückliche Erlaubnis durfte niemand sein Refugium betreten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Wilhelma zunächst als kleiner botanischer Garten allgemein zugänglich gemacht. Ihre Karriere als zoologischer Garten begann nach den schweren Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg; Tierausstellungen – so die aus der Not geborene Idee des damaligen Direktors – sollten Besucher anlocken.

Heute werden dort allein auf fast 10000 Quadratmeter Fläche Pflanzen in Fülle unter Glas kultiviert, was zugleich mannigfaltige Schädlinge und Krankheiten zu bekämpfen heißt. Nützlinge als natürliche Gegenspieler von Schädlingen helfen seit einigen Jahren den Einsatz von Giftstoffen zu minimieren – nicht zuletzt auch zum Schutze des Menschen. Gegen Schädlinge wie Thripse und Spinnmilben in blühenden Pflanzenbeständen wird beispielsweise eine Kombination zweier Raubmilben ausgebracht. Ein Unternehmen liefert sie in Weizenkleie als Trägermaterial, die man einfach ausstreut.

Biologischer Pflanzenschutz mit Nützlingen ist freilich, weil viele Faktoren zusammenspielen, anspruchsvoll und erfordert außer umfangreicher Information Verständnis für die wirkenden Prinzipien (glücklicherweise schaden Fehlanwendungen in erster Linie dem Portemonnaie und nicht der Umwelt einschließlich des Menschen). Erfolge stellen sich zudem nicht so rasch ein wie bei herkömmlichen Methoden. Was bei Anbau unter Glas zumindest teilweise schon fast Routine ist, geht im Freiland mit seinen unwägbaren Einflüssen vielfach noch nicht über das experimentelle Stadium hinaus. "Pflanzenschutz mit Organismen" – das Thema der Rubrik "Entwicklung & Technologie" in diesem Heft – zeigt die Möglichkeiten und Probleme auf.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 1998, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 1998

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 1998

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