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Brief an die Leser


Liebe Leser,

vor fast genau zehn Jahren hatte Scientific American eine komplette Ausgabe dem Thema AIDS gewidmet. Erschienen im Dezember 1988 bei Spektrum der Wissenschaft, enthielt sie – für Insider eine kleine Sensation – den ersten gemeinsam verfaßten Artikel der beiden Entdecker des Human-Immunschwäche-Virus (HIV). Damals schrieben die im Widerstreit liegenden Forscher Robert C. Gallo und Luc Montagnier: "Wie schon gesagt, sind wir beide überzeugt, daß die Wissenschaft letztlich ein Heilmittel und einen Impfstoff für AIDS finden wird – aber nicht schon morgen."

Rund acht Jahre später sah es so aus, als sollte sich der erste Teil der Prophezeiung erfüllen. Auf der vorletzten internationalen AIDS-Konferenz, 1996 in Vancouver, herrschte Hochstimmung angesichts der Erfolge der damals neuen hochaggressiven antiretroviralen Therapie (HAART) – sie hatte teilweise Patienten vom Rande des Todes in ein normales produktives Leben zurückgebracht. Doch die jüngste Welt-Konferenz, Ende Juni in Genf, war eher von Ernüchterung geprägt; die modernen Kombinationstherapien sind noch längst nicht perfekt, überdies zu teuer und anspruchsvoll in der Durchführung – für die Dritte Welt, wo die Mehrheit der HIV-Infizierten lebt, alles in allem unerschwinglich und nicht praktikabel.

Die Entwicklung von Resistenzen ist ein weiteres Problem. So sind mittlerweile Stämme von HIV aufgetaucht, denen die auf dem Markt befindlichen Protease-Hemmer nichts mehr anhaben können. Immerhin hat man auch gegen sie schon wieder zwei Eisen im Feuer. Das Schwerpunktthema AIDS in diesem Heft stellt die therapeutischen Möglichkeiten und Ziele vor. Zur Entwicklung von Impfstoffen finden Sie mehr im Oktober.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 9 / 1998, Seite 3
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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