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Genpflanzen: Das Kreuz mit der ungewollten Kreuzung



Eine der großen Befürchtungen beim Anbau genetisch veränderter Kultur-pflanzen im Freiland ist, dass diese sich mit ihren wilden Verwandten kreuzen und ihnen dabei unerwünschte Eigen-schaften wie Resistenzen gegen Herbizide oder Antibiotika verleihen. Mike J. Wilkinson von der Universität Reading (England) hat zusammen mit Kollegen dieses Risiko am Beispiel von Raps abgeschätzt. Die Forscher er-mittelten zunächst mit verschiedenen Methoden in Großbritannien die gesamte Anbaufläche der Kulturform Brassica napus sowie die Verbreitung der Wildart Brassica rapa, die beson-ders gern an Flussufern, aber auch als "Unkraut" in Rapsfeldern auftritt. Dann bestimmten sie in repräsentativen Testarealen die Anzahl von zufälligen Kreuzungen und rechneten sie auf Großbritannien insgesamt hoch. Demnach entstehen dort jährlich 49000 Hybride. Allerdings ist deren Verteilung sehr ungleich. So finden
sich in den Midlands, wo Kulturraps und Wildform besonders dicht zusam-menstehen, die meisten Kreuzungen. Die Forscher ziehen aus ihren Unter-suchungen zwei grundlegende Schlüs-se. Zum einen muss die Kreuzungsrate zwischen genverändertem Kultur- und Wildraps durch geeignete Maßnahmen mindestens hunderttausendfach ge-senkt werden, um Hybride wirkungsvoll zu verhindern. Zum anderen lässt sich bei gentechnisch modifizierten Pflanzen das Kreuzungsrisiko mit Wild-formen nicht anhand lokaler Stichproben, sondern nur durch landesweite Untersuchungen sinnvoll abschätzen.

(Science, 17.10.2003, S. 457)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 2003, Seite 12
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
12 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 12 / 2003

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