Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten von Spektrum der Wissenschaft frei zugänglich.
Sinnesphysiologie

Das zweite Auge

Besondere Nervenzellen in der Netzhaut vermitteln dem Hirn Lichteindrücke jenseits des Sehens. Die Entdeckung dieses weiteren Sinnesorgans könnte für manche Krankheiten wichtig sein, die auf Rhythmusstörungen oder Lichtmangel zurückgehen.
Das zweite Auge
Als Doktorand an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) züchtete der angehende Genetiker Clyde E. Keeler (1900 – 1994) in seiner Studentenbude Mitte der 1920er Jahre Mäuse. Merkwürdigerweise war sämtlicher Nachwuchs völlig blind. Doch noch mehr wunderte Keeler, dass sich die Pupillen dieser Tiere trotzdem zusammenzogen, wenn er das Licht anmachte. Der Pupillenreflex war nur langsamer als bei den Eltern.

Erst Jahrzehnte später kamen andere Forscher der Sache auf die Spur. Sie beobachteten, dass Mäuse ihre innere Uhr, den zirkadianen Rhythmus, auch dann an vorgegebene Licht-Dunkel-Verhältnisse anglichen, wenn ihre Netzhaut (Retina) auf Grund genetischer Eingriffe keine Stäbchen und Zapfen aufwies. Obwohl ihnen also die Sinneszellen – Lichtrezeptoren – zum Sehen von Bildern fehlten, folgten Aktivitäts- und Schlafmuster, Körpertemperatur und Hormonausschüttung dem normalen Tag-Nacht-Rhythmus. Dies ging erst verloren, wenn man den Tieren die Augen herausoperierte.

Ähnlich scheint es sich bei vielen Säugern und offensichtlich auch bei manchen blinden Menschen zu verhalten. Nach neueren Untersuchungen können einige Blinde ihre innere Uhr an den Tag-Nacht-Wechsel anpassen, und ihre Pupillen reagieren auf Licht.

Wie das zu erklären sei, war Sinnesphysiologen allerdings lange unklar. Konnten im Auge denn außer Stäbchen und Zapfen überhaupt noch andere Sinneszellen existieren, die alle Forscher bisher übersehen hatten?…
Dezember 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2011

Kennen Sie schon …

Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 2/2018

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 2/2018: Faszinierende Welt der Mikroben

Viren: Einblick in die Anfänge des Lebens • Medizin: Raffinierte Tricks gegen soziale Bakterien • Gentechnik: Neue Therapien mit CRISPR/Cas

Chronobiologie - Unser innerer Rhythmus

Spektrum Kompakt – Chronobiologie - Unser innerer Rhythmus

Unsere innere Uhr spüren wir insbesondere dann, wenn wir versuchen, gegen ihren Rhythmus zu leben - sei es durch Schichtarbeit, Jetlag oder die halbjährliche Zeitumstellung. Noch dazu ist sie individuell und altersabhängig höchst verschieden. Wie greift ihr Räderwerk ineinander?

Mensch & Erde - Die Besiedlung der Kontinente

Spektrum Kompakt – Mensch & Erde - Die Besiedlung der Kontinente

Von Afrika aus breitete der moderne Mensch sich auf den gesamten Globus aus. Welchen Wegen folgte er dabei?

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!