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Intensivmedizin: Chaos im Kopf

Bei Patienten auf der Intensivstation sind akute Verwirrtheitszustände keine Seltenheit. Ein paar Tage nach der Operation gehen solche Delire meist zurück – doch manche Patienten leiden noch lange unter den Folgen. Mit neuen Methoden wollen Ärzte dem nun besser vorbeugen.
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Irmgard Müller hat schon viele Operationen hinter sich: an den Augen, am Darm und an der Schilddrüse. Vor jedem Eingriff schreibt sie auf, was in den Wochen zuvor passiert ist, denn nach einer Narkose erinnert sie sich nicht mehr daran. "Das ist weg. Jedes Mal. Und das wird von Narkose zu Narkose schlimmer", sagt die 75-Jährige. Sie sitzt zu Hause im Wohnzimmer und erzählt ihre Geschichte. Früher habe sie ein gutes Gedächtnis gehabt. Doch mit jeder Operation ließ ihre geistige Fitness nach. "Wenn ich heute ein Buch lese, habe ich schnell vergessen, was drin steht. Mir fehlen immer wieder die Worte, ich bin nicht mehr so leistungsfähig, oft müde und manchmal auch niedergeschlagen", sagt die Potsdamerin.

Sie glaubt, dass ihr Gehirn im Krankenhaus Schaden genommen hat. Den möglichen Zusammenhang erkennen nur die wenigsten Patienten. Wenn die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt, begründen die meisten das mit ihrem Alter. "Kaum jemand weiß, dass kognitive Defizite im Krankenhaus entstehen können", sagt Edith Weiß-Gerlach von der Charité Berlin.

Nach Operationen entwickeln viele Patienten ein so genanntes Delir, eine Störung des Bewusstseins und des Denkens, die mit Verwirrung, Wahn und Angst einhergeht. Nach Stunden oder Tagen ist es meist vorbei. Trotzdem bleiben kognitive Einbußen oft langfristig bestehen. Mediziner sind auf der Suche nach deren Ursachen. Sie prüfen, welche Faktoren dem Patienten neben seiner Erkrankung dauerhaft schaden können, etwa Lärm und Stress auf der Intensivstation oder Narkose- und Schlafmittel ...

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