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Emotionen: Der Gänsehaut-Faktor

Bei manchen Musikstücken stellt sich unwillkürlich ein wohliges Kribbeln ein. Doch was genau kennzeichnet Kompositionen, die derart intensive Gefühls­regungen auslösen?
Karfreitagabend, Chorkonzert im Freiburger Münster. Auf dem Programm steht die »Matthäuspassion« von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). In einer anrührenden Szene kurz nach dem Verhör durch die Hohen Priester führt Pilatus Jesus der Menge vor und fragt: »Welchen wollet ihr, dass ich Euch losgebe? Barrabam, oder Jesum, von dem gesagt wird, er sei Christus?« Der folgende Aufschrei »Barrabam!« der Volksmenge geht durch Mark und Bein. Bach verwandte hier einen plötzlichen, sehr lauten und unerwartet dissonanten Akkord von Chor und Orchester – geradezu einen musi­kalischen Schlag ins Gesicht. Selbst abgebrühten modernen Hörern läuft es da kalt den Rücken hinunter. Musizieren und Musik hören stellen laut Umfragen die wichtigste Freizeitbeschäftigung der Deutschen dar. Woher diese Vorliebe stammt, ist bislang wenig erforscht, doch nehmen Psychologen an, dass der besondere Reiz von Melodien und Harmonien vor allem in ihrer Fähigkeit liegt, intensive Emotionen in uns auszulösen – etwa ein solches Gänsehautgefühl wie bei der Matthäuspassion ...
Januar/Februar 2007

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Januar/Februar 2007

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Literaturtipps:

Altenmüller, E., Kopiez, R.: Schauer und Tränen: zur Neurobiologie der durch Musik ausgelösten Emotionen. In: C. Bullerjahn et al. (Hg.) Musik: gehört, gesehen und erlebt. Hannover: Verlag der Hochschule für Musik und Theater Hannover, 2005, S. 159-180.

Blood, A., Zatorre, R.: Intensely Pleasurable Responses to Music Correlate with Activity in Brain Regions Implicated in Reward and Emotion. In: Proceedings of the National Academy of Science, 98(20), 2001, S. 11818-11823.

Panksepp, J.: The Emotional Sources of »Chills« Induced by Music. In: Music Perception 13, 1995, S. 171-207.

Panksepp, J., Bernatzki, G.: Emotional Sounds and the Brain: the Neuro-Affective Foundations of Musical Appreciation. In: Behavioural Processes 60(2), 2002, S. 133-155.