Direkt zum Inhalt

Serie: Evolution und Religion (Teil IV): "Der Glaube ist eine Waffe im Kampf ums Dasein"

Religion oder Evolution? Anders als Charles Darwin war sein Zeitgenosse, der Zoologe Gustav Jaeger, nicht bereit, diesen Gegensatz als gegeben zu akzeptieren. Mit seinen Ideen gilt er heute als Vordenker der Soziobiologie.
© Mit frdl. Gen. von Selma Gienger, www.anthropine.eu
"So beschlich mich in sehr langsamer Weise der Unglaube, bis ich schließlich gänzlich ungläubig wurde." Sukzessive, so erinnerte sich Charles Darwin in seiner Autobiografie, sei sein Glaube zerfallen, habe er sich zum Atheisten gewandelt. Und dies, obwohl er gerade der Naturtheologie nach den Lehren William Paleys (siehe Kasten S. 72) wesentliche Anregungen verdankte. Nicht nur missfiel ihm die "abscheuliche" christliche Lehre: "Ich kann es kaum begreifen, wie jemand wünschen könne, sie möge wahr sein; denn dann zeigt das Evangelium, dass die Ungläubigen, und ich müsste zu ihnen meinen Vater, meinen Bruder und nahezu alle meine besten Freunde zählen, ewig Strafe verbüßen müssen."

Mehr noch hielt Darwin jede Religion für eine primitive Form der Welterklärung, die von der Wissenschaft längst überholt worden sei. Und diese habe durch "Vervollkommnung der Vernunft und Vermehrung der Kenntnisse" die traurigen Folgen von Religiosität überwunden, als da wären "Aberglaube, Gottesgerichte, Menschenopfer und Hexenverfolgung", Darwin zufolge Erscheinungen, die den "Verirrungen der Instinkte bei den Tieren" vergleichbar seien.

Selbst für die Ausbildung moralischen Verhaltens, das dem nackten Egoismus des survival of the fittest – am ehesten mit "Überleben des Bestangepassten" zu übersetzen – offenkundig entgegensteht und somit zunächst ein theoretisches Problem der Evolutionslehre darstellte, sei kein Glaube an höhere Wesen erforderlich. Moralität erkläre sich bereits aus dem Nutzen sozialer Bindungen für den Einzelnen wie für das Überleben ganzer Gruppen. Immerhin billigte Darwin der Religion auf diesem Gebiet eine gewisse förderliche Wirkung zu...

Kennen Sie schon …

Spektrum der Wissenschaft – 11/2021

»Spektrum der Wissenschaft« berichtet über das Quantenfeldtheorie - Fundament der Physik. Außerdem im Heft: Hyperschallwaffen - Hintergründe eines neuen Wettrüstens, Geochemie - Wo Kohlendioxid zu Stein wird, Dingos - Evolutionäre Grenzgänger zwischen Wolf und Hund.

Spektrum Kompakt – Frühe Kunst - Was Höhlenmalereien und Felszeichnungen verraten

Immer mehr frühe Kunstwerke kommen ans Licht, weltweit haben Menschen vor Jahrtausenden bereits Eindrücke ihrer realen und spirituellen Welt verewigt. Für Forschende heute sind sie ein spannendes Archiv der Vergangenheit.

Spektrum - Die Woche – 39/2021

Wenn Tiere Inseln besiedeln, wachsen sie oft zu einer stattlichen Größe heran. Oder es passiert das genaue Gegenteil. Es ist ein seltsames Spiel der Evolution. In dieser Woche geht es außerdem um den echten James Bond, einen kriegerischen Haufen und noch etwas. Vergessen. Aber das ist normal.

Lesermeinung

3 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!