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Die Pest: Glück im Unglück

Im frühen Mittelalter forderte die Pest zigtausende Menschenleben. Doch paradoxerweise verbesserte sich dadurch die Gesundheitslage der Überlebenden und nachfolgender Generationen.

Das Jahr 542 markiert in der Gesundheitsgeschichte des Frühmittelalters (etwa 6. bis 10. Jahrhundert) eine harte Zäsur: Im fernen Byzanz, der blühenden Hauptstadt des oströmischen Kaiserreichs, brach die Pest aus, innerhalb von Monaten erreichte sie Spanien, im Folgejahr Italien und Germanien. Experten vermuten, dass beinahe die Hälfte der Bevölkerung der Seuche zum Opfer fiel. In den folgenden zwei Jahrhunderten kehrte die Epidemie 18-mal wieder, wenn auch nicht immer derart katastrophal.

Wir können kaum ermessen, welche seelischen Folgen diese Schreckenszeiten bewirkten. »Die Toten waren zahlreicher als die Lebenden«, berichtete 542 ein Zeitzeuge aus Byzanz. Statt Verstorbene nach Recht und Sitte zu bestatten, türmte man Haufen auf oder warf sie in die Türme der Stadt. Gleichwohl hatte die Katastrophe Folgen, die aus heutiger Sicht positiv erscheinen. Die von großer Ungleichheit geprägte soziale und wirtschaftliche Ordnung der Antike löste sich auf. So verlangten Landarbeiter in den Provinzen des byzantinischen Reichs Berichten zufolge das Doppelte und Dreifache des bisherigen Lohns, und oft setzten sie ihre Forderung durch – Arbeitskraft war in den entvölkerten Landstrichen rar und dementsprechend teuer …

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Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 2/2019

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  • Quellen

Baten, J. et al.: Multidimensional patterns of european health, work, and violence over the past two millennia. In: Steckel, R. et al. (Hg.): The backbone of Europe: health, diet, work and violence over two millennia. Cambridge University Press, 2018, S. 381–396

Scheidel, W.: The great leveller. Violence and the history of ineqaulity from the stone age to the twenty-first century. Princeton University Press, 2017