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Neurobiologie: Der Sitz der Ortskenntnis



Die Berufserfahrung eines Taxifahrers lässt sich an seinem Gehirn erkennen. Mit dem Ortswissen wächst nämlich auch der Hippocampus, eine Region der Großhirnrinde, die eine zentrale Rolle bei der Gedächtnisbildung spielt. Wie aber die Karte im Kopf auf neu-ronaler Ebene funktioniert, ist erst in Ansätzen geklärt. Bei Ratten haben Forscher in Irrgarten-Experimenten mit-tels Elektroden im Gehirn nachgewiesen, dass einzelne Nervenzellen im Hippocampus feuern, wenn sich das Tier einem bekannten Ort nähert. Diese Ortsneuronen sind stets an einer be-stimmten Position im Raum aktiv und bilden auf diese Weise eine neuronale Karte der Außenwelt. An gesunden Menschen verbieten sich solche Experimente. Deshalb griff ein Team um Arne Ekstrom von der Brandeis-Universität in Waltham (Massachusetts) und Itzhak Fried von der Universität von Kalifornien in Los Angeles nun auf Epilepsie-Patienten in klinischer Behandlung zu-rück. Diese waren ohnehin mit Elek-troden im Kopf verdrahtet, damit der Anfallsherd bestimmt werden konnte. In einer Computersimulation schlüpften sie in die Rolle des Taxifahrers in einer virtuellen Stadt. Die Aktivität ihres Ge-hirns während der Navigation zeigte, dass auch beim Menschen hippocampale Ortsneuronen eine Art geistiger Karte bilden. Zusätzlich identifizierten die Forscher aber auch Nervenzellen im angrenzenden Cortex, die bei bloßer Sichtung charakteristischer Orientierungspunkte schon aktiv wurden.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 2003, Seite 12
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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