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Ironie: Scheherz!

Mann zwinkertLaden...

Wieder einmal hat Sokrates seine Anhänger um sich versammelt, um einen Begriff zu sezieren. Bereits mehrere Definitionsversuche seiner Schüler haben sich durch Sokrates’ beharrliches Nachfragen als unhaltbar erwiesen. Da platzt Thrasymachos der Kragen. Sokrates solle nicht immer nur fremde Meinungen zerpflücken, sondern gefälligst sagen, was seine eigene sei, herrscht er ihn an. Der Philosoph entgegnet: Man solle ihm nicht zürnen, sondern Mitleid haben, weil er, Sokrates, so unwissend sei. »Ach du lieber Herakles, da ist wieder die Ironie des Sokrates!«, antwortet Thrasymachos. »Das habe ich wohl gewusst und vorausgesagt, dass du eine Antwort nicht werdest geben wollen, sondern dich unwissend stellen und alles eher tun, als eine Frage beantworten.«

Die Frage, was Ironie verträgt oder im Gegenteil ernst genommen werden muss, ist heute brisanter denn je. In Italien oder der Ukraine stiegen Komiker bis in höchste politische Ämter auf, und auch die deutschen Wähler haben den »Titanic«-Journalisten Martin Sonneborn und den Kabarettisten Nico Semsrott ins EU-Parlament entsandt, wo sie dem Politikbetrieb mit ihren Witzen und ironischen Aktionen einen Spiegel vorhalten …

8/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 8/2020

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  • Infos
Quellen und LiteraturtippsAvanessian, A.: Phänomenologie ironischen Geistes. Ethik, Poetik und Politik der Moderne. Fink, 2010.Illouz, E.: Warum Liebe weh tut. Suhrkamp, 2012. Wie die Diskurse der Moderne und neue Technologien unsere Art zu lieben verändernKierkegaard, S.: Über den Begriff der Ironie mit ständiger Rücksicht auf Sokrates. Gesammelte Werke und Tagebücher, Band 21. Grevenberg, 2004Platon: Lysis, Symposion, Phaidon, Kleitophon, Politeia, Phaidros. Sämtliche Werke, Band 2. Rowohlt, 1993Rorty, R.: Kontingenz, Ironie und Solidarität. Suhrkamp, 1991