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Bewusstsein und Willensfreiheit: Determiniert - und trotzdem frei!

Vor Jahren machte der Neurophysiologe Benjamin Libet mit einer Reihe von Experimenten Furore, die scheinbar die Existenz des freien Willens widerlegten. Der Psychologe Christoph Herrmann von der Universität Oldenburg hält dagegen: Der Mensch ist frei, solange sein Handeln in ihm selbst gründet.
Bye-bye, Homunkulus!
"Bei Ihnen piept’s wohl!" Ein solcher Satz, in einem unbedachten Moment geäußert, kann einen Kopf und Kragen kosten – etwa, wenn er uns gegenüber dem Chef entschlüpft. Ich selbst ertappe mich immer wieder dabei, dass ich etwas sage, ohne die Konsequenzen so recht abzuschätzen. Ganz offenbar sind Handlungen (und auch Sprechen zählt dazu) nicht immer vollkommen bewusst geplant, sondern können sich auch unbewusst Bahn brechen.
Wie die Hirnforschung zeigt, beruhen psychische Leistungen wie Wahrnehmung und Handlungsplanung auf neuronalen Prozessen. Viele Forscher glauben, dass diese beiden Ebenen quasi identisch sind und nur eine jeweils andere Art der Beschreibung darstellen. Diese Position wird als Naturalismus bezeichnet.
Da fast alle physikalischen Prozesse festen Gesetzmäßigkeiten folgen, sind womöglich auch die Vorgänge im Kopf stets durch voran­gegangene neuronale Prozesse determiniert, das heißt festgelegt. Damit stünde das Ergebnis einer Handlungsplanung oder Entscheidung ­bereits vor ihrem Auftreten fest. Kann man in diesem Fall noch von freiem Willen ­sprechen? ...

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  • Quellen
Herrmann, C. S. et al.: Analysis of a Choice-Reaction Task Yields a new Interpretation of Libet's Experiments. In: ­International Journal of ­Psychophysiology 67(2), S. 151-157, 2008.

Herrmann, C. S. et al. (Hg.): Bewusstsein: Philosophie, Neurowissenschaften, Ethik. UTB, München 2005.

Libet, B.: Mind Time. Wie das Gehirn Bewusstsein produziert. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.

Pauen, M., Roth, G.: Freiheit, Schuld und Verantwortung. Grundzüge einer naturalistischen Theorie der Willensfreiheit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008.