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Determinismus: Eine Welt ohne freien Willen?

Angenommen, all unser Tun wäre neuronal vorherbestimmt – was würde das für die Gesellschaft bedeuten? Forscher ergründen, wie sich Menschen ­verhalten, deren Vertrauen in die Willensfreiheit erschüttert wird.
Rädchen im GetriebeLaden...

Im Juli 2008 reisten Brian Thomas und seine Frau Christine mit ihrem Wohnmobil in den kleinen Küstenort Aberporth in Wales. Um dem Lärm zu entgehen, den eine jugendliche Motorrad-Gang verur­sachte, fuhr das Paar gegen 23.30 Uhr auf den Parkplatz einer nahe gelegenen Raststätte. In ­dieser Nacht träumte Brian Thomas, einer der ­Jugendlichen breche in das Wohnmobil ein. Schlafwandelnd hielt er seine Frau für den fiktiven Eindringling – und erdrosselte sie. So jedenfalls lautete seine Version der Geschichte.

16 Monate später stand Thomas wegen ­Mor­des vor Gericht. Ein Psychiater wurde als Gutachter gehört und erklärte, dass der Angeklagte nicht wusste, was er tat, als er seine Frau erwürgte. Zudem neigte er von Kindheit an zum Schlafwandeln (siehe "Zwischen Schlafen und Wachen", S. 56). Thomas wurde freigesprochen.

Fälle wie dieser bringen Menschen dazu, über die Bedeutung des freien Willens nachzudenken. Denn nicht nur beim Schlafwandeln scheinen wir oft nicht so viel bewussten Einfluss auf unser Handeln zu haben, wie wir glauben. Auf Basis von Erkenntnissen über das menschliche Gehirn argumentieren manche Philosophen und Neurowissenschaftler, dass wir uns gewissermaßen alle in einem Zustand des Schlafwandelns be­fänden – auch wenn wir hellwach und bei vollem Bewusstsein sind. Wir seien keineswegs autonome Lenker unseres Lebens. Ausschlaggebend für unser Verhalten seien vielmehr Ereignisse der Vergangenheit sowie unbewusste Mechanismen. Zu Deutsch: Der freie Wille sei nur eine Illusion ...

4/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2015

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  • Quellen

Aspinwall, L. G. et al.: The Double-Edged Sword: Does Biomechanism Increase or Decrease Judges’ Sentencing of Psychopaths? In: Science 337, S. 846 – 849, 2012

Baumeister, R. F. et al.: Prosocial Benefits of Feeling Free: Disbelief in Free Will Increases Aggression and Reduces Helpfulness. In: Personality and Social Psychology Bulletin 35, S. 260 – 268, 2009

Ohayon, M. M. et al.: Prevalence and Comorbidity of Nocturnal Wandering in the US Adult General Population. In: Neurology 78, S. 1583 – 1589, 2012

Oudiette, D. et al.: Dreamlike Mentations during Sleepwalking and Sleep Terrors in Adults. In: Sleep 32, S. 1621 – 1629, 2009

Shariff, A. F., Vohs, K. D. et al.: Free Will and Punishment: Diminished Belief in Free Will Reduces Retribution. In: Psychological Science 25, S. 1563 – 1570, 2014

Vohs, K. D., Schooler, J. W.: The Value of Believing in Free Will: Encouraging a Belief in Determinism Increases Cheating. In: Psychological Science 19, S. 49 – 54, 2008