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Die bunte Welt der Krebse


Fangschreckenkrebse sind wahre Sehkünstler. Das haben Justin Marshall von der Universität von Queensland (Australien) und Johannes Oberwinkler von der Universität Groningen (Niederlande) herausgefunden, als sie die Anatomie der Augen von Neogondodactylus oerstedii untersuchten.

Diese bestehen wie bei allen Gliederfüßern aus einer geometrischen Anordnung winzigkleiner Linsen. Quer über das Auge verläuft ein Band aus sechs Linsenreihen, den sogenannten R8-Zellen. Sie enthalten acht Rezeptorproteine für Wellenlängen im sichtbaren Spektralbereich. Zusätzlich gibt es nicht weniger als vier Rezeptoren, die auf Strahlung im UV-Bereich ansprechen. Damit können die Krebse eine deutlich breitere Farbpalette wahrnehmen als jedes andere Lebewesen.

Die zwölf verschiedenen Rezeptorarten mit den zugehörigen Filtern unterteilen den Spektralbereich in sehr schmale Banden – ein Phänomen, das als „digitales“ Farbempfinden bezeichnet wird. Dadurch sehen die Krebse sehr kontrastreiche Bilder. Oberwinkler vermutet, daß die farbenprächtige Heimat in den Korallenriffen mit ihren bunten Beutetieren und Sexualpartnern für die Evolution des enormen Sehvermögens verantwortlich ist. Doch hat der extrem differenzierte Farbeindruck auch eine Schattenseite, denn die Filter absorbieren Licht – weshalb die Welt für die Krebse relativ dunkel erscheinen sollte.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2000, Seite 13
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2000

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2000

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