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Paläontologie: Die Erfindung des Kauens



Statt nur zarte Blättchen, Blüten oder Knospen zu zupfen und sofort zu schlucken, begannen die Vorfahren der Säugetiere schon vor 260 Millionen Jahren damit, harte Blätter zu zerkauen. Dies stellten Natalia Rybczynski und Robert Reisz von der Universität von Toronto in Mississauga fest, als sie den 1990 in Zentralrussland gefundenen Schädel eines 30 Zentimeter langen Wirbeltiers mit dem Mikroskop auf typische Kratzer an den Zähnen untersuchten. Anders als bei Krokodilen und Leguanen liegen bei Suminia getmanovi die Flächen der Backenzähne aufeinander und können mahlend gegeneinander bewegt werden. Mit dieser im Laufe der Evolution mehrfach erfundenen Technik konnten die Wirbeltiere neue Nahrungsquellen erschließen und die Nährstoffe schneller in Energie umwandeln. Damit veränderte sich die gesamte Nahrungskette des Ökosystems: Während vorher fast alle Tiere räuberisch lebten, konnten sie nun auch in großem Umfang Pflanzen als Nahrung nutzen. Dies dürfte auch die explosionsartige Zunahme der Artenvielfalt und Individuenzahl bei den Landtieren im Oberen Perm erklären. Reisz vermutet sogar, dass der effektivere Stoffwechsel zu der hohen Körpertemperatur der Warmblüter führte. (Nature, Bd. 411, S. 684)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 8 / 2001, Seite 25
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
8 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 8 / 2001

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