Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Neurologie: Die Erleuchtung des Gehirns

Eine raffinierte Kombination von Optik und Gentechnik versetzt Neurowissenschaftler in die Lage, Schaltkreise im Gehirn mit ungeahnter Präzision zu kartieren – und sogar zu steuern.
© Jesper Sjöström und Michael Häusser / University College London
Im Jahr 1937 publizierte der berühmte Neurophysiologe Sir Charles Scott Sherrington an der University of Oxford (England) eine inzwischen klassische Beschreibung der Gehirnaktivität. Er stellte sich vor, Lichtpunkte signalisierten die Erregung der Nervenzellen und ihrer Verbindungen. Im Schlaf würden nur wenige dezentrale Hirnregionen blinken, so dass das Organ einem bestirnten Nachthimmel gliche. Beim Aufwachen jedoch wäre es, "als ob die Milchstraße einen kosmischen Tanz beginnt", schrieb Sherrington. "Rasch verwandelt sich das gesamte Gehirn in einen verzauberten Webstuhl, in dem Millionen blitzender Schiffchen vergängliche Muster weben, voller Bedeutung, nie gleich bleibend, im steten Fluss immer neuer harmonischer Motive."

Obwohl es Sherrington damals vermutlich nicht ahnte, enthielt seine poetische Metapher eine zukunftsweisende Idee: dass sich Hirnfunktionen durch Lichteffekte sichtbar machen lassen. Wie Nervenzellen zusammenarbeiten, um Gedanken oder Verhaltensmuster zu erzeugen, ist eine der schwierigsten offenen Fragen der Biologie – vor allem deshalb, weil sich aktive neuronale Schaltkreise gewöhnlich nicht in Gänze beobachten lassen. Standardmethoden, die mittels feiner Elektroden die Aktivität weniger Nervenzellen erfassen, liefern nur Detailinformationen – viel zu wenig, um daraus ein Gesamtbild zu konstruieren. Könnte man jedoch ganzen Gruppen von Neuronen bei der Kommunikation zusehen, ließe sich daraus vielleicht ableiten, wie die neuronalen Schaltkreise des Gehirns verdrahtet sind und ihre Funktion ausüben.

Fernsteuerung von Neuronen Diese verlockende Vorstellung brachte einige Neurologen dazu, an der Verwirklichung von Sherringtons Vision zu arbeiten. Daraus erwuchs ein neuer Wissenschaftszweig: die Optogenetik. Sie kombiniert die Gentechnik mit Methoden der Optik, um das Verhalten bestimmter Zelltypen sichtbar zu machen. Schon jetzt gelingt es, die Funktion verschiedenster Neuronengruppen zu visualisieren. Mehr noch: Mit dem Verfahren können Forscher Nervenzellen sogar fernsteuern, indem sie schlicht einen Lichtschalter betätigen. Diese Erfolge...

Kennen Sie schon …

Spektrum der Wissenschaft – Wird KI uns überflügeln?

Künstliche Intelligenz ist bereits in vielen Bereichen im Einsatz und kann dabei viel Gutes bewirken. Ihre rasante Entwicklung schürt jedoch auch Ängste. Im Interview erläutert die Sozioinformatikerin Katharina Zweig die Grenzen der Technologie – und erklärt, warum KI den Menschen nicht ersetzt. Mit diesem Beitrag starten wir die Serie »Intelligenz aus zwei Welten«, die sich den facettenreichen Aspekten künstlicher Intelligenz widmet. Darüber hinaus enthält diese Ausgabe Beiträge zu mRNA-basierten Krebsimpfstoffen, die gegenwärtig in die klinische Anwendung kommen, zu Georg Cantors bedeutendstem mathematischen Werk, das sich als Plagiat erwiesen hat, sowie zu den Bemühungen des Artenschutzes um die letzten Orcas der Salish Sea.

Spektrum edition – Künstliche Intelligenz

Sie ist gekommen, um zu bleiben: Künstliche Intelligenz begegnet uns heute als einfaches Werkzeug für kleine Aufgaben bis hin zum teils selbstständig agierenden Partner in Forschung und Alltag. Entsprechend kontrovers ist die Diskussion rund um damit verbundene Chancen und Risiken.

Spektrum - Die Woche – Ein alter KI-Ansatz für wahre maschinelle Intelligenz?

Wahre maschinelle Intelligenz – Transparenz und feste Regeln zeigen einen Weg, die KI die Fähigkeit geben könnte, logische Schlüsse zu ziehen. Außerdem: Eisen für die Energiewende verbrennen, das Paradoxon fehlender Information im Universum und Schaden Energydrinks dem Gehirn Jugendlicher?

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.