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Babylon Rezeption: Die Farbe Blau

Falsch Verstandenes, Halbwissen und Legenden prägen unsere Vorstellungen von Babylon. Selbst Museen gelingt es nur bedingt, ein realistisches Bild der Euphratmetropole zu vermitteln.
Wer kennt es nicht, aus eigener Anschauung oder von Fotos: das Isch­tar-Tor Babylons, wie es im Vorderasiatischen Museum in Berlin zu bestaunen ist. In tiefem Blau leuchten die glasierten Ziegel seiner Fassade, darin eingebettet Reliefs von Stieren und Drachen. Ein mehr als 2500 Jahre altes Stück Mesopotamien zu betrachten, nicht Kopien aus Holz und Acrylfarben – dieses Wissen lässt keinen Besucher ungerührt. Und obwohl die im Pergamonmuseum untergebrachte Sammlung als eine der größten ihrer Art noch viele andere Highlights zu bieten hat, bleibt den meisten eines im Gedächtnis: Babylon war ein blaues Wunder.

Dieser Eindruck ist verständlich, nicht zuletzt durch den Kontrast zu den marmorweißen Bauwerken der griechischen und römischen Antike, die jeder Museumsbesucher auf dem Weg zum Tor bereits passiert hat. Doch ist er keinesfalls beabsichtigt.

Denn auch wenn die blau glasierten Ziegel sicher eine wichtige Rolle in seiner repräsentativen Architektur gespielt haben, glich der überwiegende Teil Babylons wohl eher Städten, wie man sie auch heute noch im Orient findet: einfarbige Lehmbauten, hinter deren Mauern sich oft Gärten verbergen, schmale Gassen, die zu quirligen Marktplätzen und schattigen Basaren führen, spielende Kinder auf kleinen Plätzen, Karren, die mit der Ernte beladen von den Feldern heimkehren, vor der Stadt Flüsse und Kanäle, in denen die Einwohner Abkühlung suchen.

Doch das Museum zeigt keine solche Kontinuität von Altem Orient und heutigen orientalischen Altstädten. Der Eindruck, der dem Besucher im Gedächtnis bleibt, ist vielmehr: Babylon war blau. Aber auch: Babylon war für jene Zeit gigantisch groß. Und: Babylon war eine Stadt des Lasters. …

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