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Wahrnehmung: Die Farbe der Zahlen



Lassen sich Farben hören oder Formen schmecken? Manche Menschen reklamieren für sich die Fähigkeit zu einer solchen Synästhesie – einer Vermischung verschiedener Arten der Wahrnehmung. Unter Wissenschaftlern bestehen allerdings immer noch Zweifel, ob das Phänomen mehr ist als die Ausgeburt einer lebhaften Fantasie. Psychologen von der Vanderbilt-Universität in Nashville (Tennessee) haben nun jedoch überzeugende Belege für seine Echtheit gefunden. Sie untersuchten einen Mann mittleren Alters, der behauptet, bereits seit frühester Kindheit schwarz auf weiß gedruckte Zahlen, Buchstaben und ganze Wörter in lebhaften Farben zu sehen. Dabei überprüften sie zweimal in einem Abstand von einem Monat, wie er hundert verschiedenen einsilbigen Wörtern des englischen Grundwortschatzes Farben zuordnete. Bei immerhin 97 Wörtern war die Zuordnung beim zweiten Mal dieselbe, bei zwölf Wörtern galt dies sogar, wenn eine Palette aus mehr als tausend Farbtönen verwendet wurde. In einem anderen Test präsentierten die Wissenschaftler dem Mann verschiedene Teile von Ziffern so, dass sie getrennt vom linken oder rechten Auge wahrgenommen und erst im Gehirn zusammengesetzt wurden. Auch hier sah er die Zahlen farbig. Das scheint darauf hinzudeuten, dass synästhetische Assoziationen in einem zentralen Bereich des Sehsystems stattfinden, in dem die Informationen von beiden Augen kombiniert und verarbeitet werden. (PNAS, Bd. 99, S. 4127)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2002, Seite 53
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
5 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 5 / 2002

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