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Geschlechterunterschiede: Die Folgen des Hochstapler-Syndroms

Sich für einen Hochstapler zu halten, ist das zentrale Merkmal des Impostor-Syndroms: Die Betroffenen zweifeln an ihren Fähigkeiten, glauben beispielsweise, dass sie ihrer beruflichen Rolle nicht gewachsen seien und ihre Inkompetenz eines Tages ans Licht käme. Erfolge und Leistungen führen sie nicht auf ihre Fähigkeiten zurück, sondern auf günstige Umstände. Aber motiviert die gefühlte Inkompetenz zu mehr Anstrengung, oder bemühen sich die Betroffenen erst recht weniger? Ein Team um Rebecca Badawy von der Youngstown State University in Ohio berichtet nun: Männer und Frauen mit Impostor-Syndrom verhalten sich unterschiedlich, wenn sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen sollen.

Die Forscher ließen 500 Studenten Fragen aus einem College-Aufnahmetest beantworten. Im ersten Experiment erhielten die Teilnehmer nach den ersten Fragen per Zufall eine positive oder negative Rück-meldung. Dann sollten sie weitere Fragen beantworten.Im zweiten Versuch ließen die Wissenschaftler je eine Hälfte der Teilnehmer glauben, ihr Test würde anonym einem Fremden vorgelegt – oder aber einem ihrer Professoren, der sie anhand des Namens identifizieren konnte. Vorab hatten alle Probanden angegeben, wie sehr sie zu impostortypischen Erlebens- und Verhaltensweisen neigten.

Erhielten die Studierenden nach der ersten Test­runde eine positive Rückmeldung, spielte das Im­postor-Syndrom weder bei Männern noch bei Frauen eine Rolle für Anstrengung und Leistung in der nächsten Runde. Anders sah es jedoch aus, wenn sie negatives Feedback erhielten oder der Professor ihren Test vorgelegt bekam: Männer mit Impostor-Syndrom investierten in beiden Fällen rund eine Minute weniger Zeit in den Test als Frauen

Im Schnitt fühlten sich Frauen nach eigenen Angaben zwar ängstlicher. Doch: »Nach einer negativen Rückmeldung oder wenn das Professorenurteil drohte, stieg bei Impostor-Männern die Angst stärker, und sie strengten sich weniger an«, erklären die Autoren. »Frauen mit Impostor-Tendenz strengten sich nach negativem Feedback mehr an und schnitten so auch ein wenig besser ab als ihre männlichen Mitstreiter.« Die negativere Reaktion der Männer sei womöglich darauf zurückzuführen, dass sich diese in Sachen Leistung traditionell stärker unter Druck gesetzt fühlen. Indem sie weniger investierten, schafften sie sich eine Erklärung für einen etwaigen Misserfolg.

11/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2018

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  • Quelle
Pers. Individ. Dif. 131, S. 156–163, 2018